Das Leben in den durch die Taliban eroberten Gebieten ist für kaum jemanden sicher, für viele Frauen jedoch besonders bedrohlich. Künstler:innen und Journalist:innen riskieren ihr Leben, um öffentlich zu machen, was geschieht. Dennoch fordern mutige Frauen ihre Rechte ein: Ein Video zeigt den Widerstand von vier Frauen, die ihr Recht auf Bildung und Teilhabe gegenüber bewaffneten Taliban-Kämpfern verlangen.

Die erschütternden Bilder aus Kabul sind aktuell in vielen Medien zu sehen. Eins fällt auf: Wo die Taliban herrschen, werden die Frauen unsichtbar gemacht. Die Straßen Kabuls sind aktuell für niemanden sicher, für Frauen jedoch besonders lebensgefährlich. Busfahrer:innen wollen z.B. nicht die Verantwortung übernehmen, sie zu transportieren. Sie werden von Universitäten und Arbeitsstätten in ihre Wohnungen zurück gedrängt. Kämpfer übersprühen die Gesichter von Frauen auf der Straßenwerbung mit Lack.

Der Guardian berichtet über das Geschäft mit Burkas, das scheinbar über Nacht durch die Decke ging. Zwar gab ein Sprecher der Taliban bekannt, dass lediglich ein Hijab zur Sicherheit der Frauen empfohlen werde. Dennoch stieg der Preis für die Bekleidung zur Vollverschleierung um ein Vielfaches.

Als die Taliban zuletzt – von 1996 bis 2001 – herrschten, war es Frauen etwa verboten, ohne männliche Begleitung das Haus zu verlassen. Sie durften nicht berufstätig sein und hatten praktisch keine Möglichkeit, ihre Rechte geltend zu machen.

Mutiger Widerstand

Die Taliban nutzen die Gewalt an Frauen und Mädchen systematisch, um die Bevölkerung zu unterwerfen. Deswegen sind aktuell ganz besonders diejenigen bedroht, die für ihre Rechte und Befreiung einstehen.

„Sie werden mich töten. Ich weiß, dass sie mich töten werden. Und ich bin darauf vorbereitet. Ich mache mir nur Sorgen um meine Mutter, aber ansonsten über gar nichts mehr. Ich muss in diesem Land bleiben. Ich muss erzählen was hier los ist.“, beschreibt Sahraa Karimi die Situation. Als kritische Regisseurin und Vorsitzende von „Afghan-Film“ muss sie damit rechnen, im Visier der Terroristen zu sein. Sie ist ein Beispiel für die Frauen, deren Arbeit und Widerstand sich nicht durch den Terror der Taliban brechen lässt.

Viele Künstler:innen, die mit ihrer Kunst patriarchale oder fadenscheinig religiös begründete Gewalt anprangern, fürchten um ihr Leben. Doch einige von ihnen haben sich gerade jetzt entschieden, weiter zu arbeiten. „Art Lords“ ist z.B. ein Künstler:innenkollektiv, das die Motive nutzt, um politische Botschaften zu verbreiten.

Geleitet wird das Kollektiv von Nargis Khowajazada, die im Interview mit dem ARD erklärt: „Ich mache mir Sorgen, weil die Taliban so viele Probleme mit Mädchen und Frauen haben. Sie wollen einfach, dass Mädchen und Frauen zu Hause bleiben und nichts tun. Sie sollen keine Ausbildung machen. Sie sollen nicht arbeiten. Afghanische Frauen wie ich werden diese Rückkehr in die Dunkelheit niemals akzeptieren. Wenn sie mich töten wollen, dann ist es besser, wenn sie mich töten, als dass ich in diese Dunkelheit zurückkehre.“.

„Sie fordern ganz einfach ihre Rechte“

Ein Video ging besonders viral: Es zeigt vier Frauen, die auf Papieren ihre Forderungen visualisieren und in die Höhe halten. Darauf fordern sie das Recht auf Bildung, politische Beteiligung und Unversehrtheit. Um die Frauen herum bewegen sich mehrere bewaffnete Kämpfer der Taliban, sichtlich irritiert von der entschlossenen Aktion der Frauen.


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