Seit Tagen ist die Situation am internationalen Flughafen in Kabul unübersichtlich. Am frühen Montagmorgen gab es am Airport einen Schusswechsel. Beteiligt waren afghanische, deutsche und US-amerikanische Soldat:innen mit unbekannten Angreifern.

Zu dem Schusswechsel kam es gegen 04:15 am Nordtor des Flughafens. Dabei wurden ein afghanischer Soldat getötet und drei weitere Soldat:innen verletzt. Am Flughafen ist es vor allem für die Menschen unsicher, die verzweifelt versuchen, Sicherheit zu finden und aus Afghanistan zu fliehen.

Seit Sonntag gibt es eine öffentliche Warnung vor einem größeren Terroranschlag des „Islamischen Staats“ (IS) am Flughafen selbst und in dessen Umgebung. Die Sicherheitszonen um den Flughafen wurden daher vergrößert. Die IS und die Taliban sind verfeindet und es finden seit Jahren immer wieder Kämpfe zwischen den beiden fundamentalistischen Gruppen statt.

An dem Flughafen gibt es schon seit mehren Tagen immer wieder chaotische Situationen. Zuletzt starben immer wieder Menschen bei tumultartigen Szenen. Erst vor einigen Tagen wurden mehrere Menschen tot getrampelt, als Warnschüsse der Taliban eine Massenpanik auslösten. Zudem starben mehrere Menschen, die sich verzweifelt an eine US-Militärmaschine geklammert hatten. Das Flugzeug startete dennoch und überrollte die Menschen, oder sie fielen aus großer Höhe in den Tod.

Während Deutschland, die USA und zahlreiche weitere Länder weiter unter großem Zeitdruck tausende Menschen über den Flughafen evakuieren, stellen die Taliban ein zeitliches Ultimatum für die Beendigung der Evakuierungen. Suhail Schahin, ein Sprecher der Taliban, nannte den 31. August als „rote Linie“, bis zu der die Evakuierungsmaßnahmen abgeschlossen und alle ausländischen Truppen das Land verlassen haben müssten.

„Es wird Misstrauen schaffen zwischen uns. Wenn sie vorhaben, die Besatzung zu verlängern, wird das eine Reaktion hervorrufen“, so Schahin als Drohung in Richtung der westlichen Truppen. US-Präsident Joe Biden kündigte unterdessen an, den Evakuierungseinsatz notfalls auch über den 31. August hinaus zu verlängern. Ein direkter größerer Angriff der Taliban auf die westlichen Truppen scheint zur Zeit aber eher unwahrscheinlich.


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