Bei dem Jahrhundert Unwetter vor gut zwei Wochen starben in Nordrhein-Westfalen 47 Menschen, zusätzlich kam es zu enormen Sachschäden. Nun besucht der NRW-Ministerpräsident Armin Laschet die Hochwassergebiete und wird alles andere als freudig empfangen.

Mehr als zwei Wochen nach der Katastrophe: Finanzminister Olaf Scholz und NRW-Minister Armin Laschet besuchen erneut einige der Orte an denen das Unwetter besonders viel Schaden angerichtet hat. Einer dieser Orte ist unter anderem Stolberg bei Aachen.

„Dieser Standort Stolberg ist einer, der in einem schweren Wettbewerb steht, national und international. Und deshalb ist es wichtig, dass die Unternehmen hierbleiben und sehr schnell auch hier wieder investieren.“ so Laschet. Er versucht ortsansässige Unternehmen zu überzeugen, den Ort nach der Flutkatastrophe nicht zu verlassen.

Gemeinsam mit dem Finanzminister Scholz versprach er weitere schnelle Hilfen für die Flutopfer, doch in einem Video des Spiegels sieht man einige von ihnen sind bereits resigniert. Sie scheinen keine Hilfe erhalten zu haben und ohne hin der Besuch Laschet’s kommt in ihren Augen reichlich spät.

So eine Anwohnerin: „Was soll ich denn sagen? Die Soforthilfe habe ich auch nicht gekriegt und auch nicht die, die an die Bürger verteilt wurde. Da bekam man falsche Auskünfte. Okay, ein Riesendurcheinander.“

Der Unmut der Bevölkerung entlädt sich, sie beklagen sich über zu langsame Hilfsmaßnahmen, zu späte Warnungen und die nicht funktionierende Infrastruktur. Eine Person berichtet sogar, dass ihre Eltern beinahe gestorben wären, eine andere nennt Laschet vor laufender Kamera Versager. Dies ist nicht der erste Ort an dem Laschet angegangen wurde, bereits bei einem Besuch in der Gemeinde Swisttal zeigten sich die Bewohner:innen verärgert.

Auch die Anwohner:innen in Swisttal klagen über die fehlende Unterstützung der Landesregierung, man habe noch niemanden von der örtlichen Verwaltung gesehen statt dessen haben junge Menschen beim Aufräumen geholfen. Ein Mann schimpfte über einen „riesengroßen Versager“ und rief, wohl mit Hinblick auf die Bundestagswahl am 26. September: „Sie werden es bei der Wahl merken.“

Mehrfach versicherte Laschet, dass er vor Ort sei um sich ein Bild der Lage zu machen und sich um weitere Unterstützung zu kümmern. Für die Betroffenen schien es eher den Anschein einer missglückten Wahlwerbetour zu haben.


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