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Donnerstag, Juli 25, 2024
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    Wohnungsfrage: Bauland kostet so viel wie nie

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    Im Krisenjahr 2020 sind die Preise für Bauland in Deutschland auf ein neues Rekordniveau gestiegen. Besonders in den 14 größten Städten liegt der Preis für Grund und Boden extrem hoch. Damit steigen auch die Kosten für Bauprojekte und Immobilien – ein Grund dafür, dass das Wohnen in deutschen Großstädten immer teuer wird.

    199 Euro – so hoch lag im Jahr 2020 der Durchschnittspreis für einen Quadratmeter Bauland in Deutschland. Der Bodenpreis ist damit im Krisenjahr auf ein neues Rekordhoch geklettert. 2019 hatte er noch bei 190 Euro gelegen, 2010 bei 130 Euro. Dies entspricht einer Steigerung von 53 Prozent innerhalb von zehn Jahren. Zum Vergleich: Der Verbraucherpreisindex ist im selben Zeitraum um etwa 13,5 Prozent gestiegen.

    Bauland in Großstädten 600 % teurer als der Durchschnitt

    Der Preis für Baugrundstücke variiert dabei sehr stark, vor allem in Abhängigkeit von der Region und der Gemeindegröße. Liegt er in Gemeinden mit weniger als 2.000 Einwohner:innen noch bei durchschnittlich 71 Euro pro Quadratmeter, kostet Bauland in den 14 größten deutschen Städten im Schnitt 1.213 Euro. Zugleich gibt es ein Nord-Süd- sowie ein Ost-West-Gefälle. Während der Bodenpreis in Bayern (349 Euro) und Baden-Württemberg (245 Euro) relativ hoch ist, kostet der Quadratmeter in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern durchschnittlich nur zwischen 46 und 63 Euro.

    Folgen für die Arbeiter:innenklasse: Wohnungsmangel und hohe Mieten.

    „Wir werden in Wohnungen gepfercht wie Tiere.“

    Durch die hohen Preise für Grund und Boden steigen auch die Kosten für Bauprojekte und Immobilien. Vor allem in den Großstädten verschärft diese Entwicklung für Arbeiter:innen das Problem von Wohnungsmangel und steigenden Mieten. Besonders extrem ist die Lage in Berlin: Dort haben sich die Mieten zwischen 2009 und 2019 im Mittel etwa verdoppelt.

    Steigende Mieten, Inflation, Langzeitarbeitslosigkeit: Wie der Lebensstandard der Arbeiter:innenklasse sinkt

    Bodenpreise als Symptom der staatlichen Krisenpolitik

    Ursächlich für die stark gestiegenen Bodenpreise sind insbesondere die schon seit Jahren extrem niedrigen Zinsen im Euroraum. Diese führen dazu, dass freies Geldkapital – welches heute im Übermaß vorhanden ist – verstärkt in andere Anlageformen als Bankkredite fließt. Heute sind das zum Beispiel komplizierte Finanzprodukte, Kunstschätze, Krypto-Währungen – oder eben Immobilien und Grundstücke. Auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise im letzten Jahr hatten die Notenbanken der USA, Japans und Europas ihre Niedrigzinspolitik verlängert oder sogar verschärft. Das Rekordhoch bei den Grundstückspreisen ist damit auch ein Symptom für die Krisenpolitik von Staaten und Notenbanken.

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