In Berlin haben 20.000 Menschen dafür demonstriert, dass riesige Wohnungskonzerne nicht länger Profite auf dem Rücken der Mieter:innen machen dürfen. Die Forderungen waren vielfältig und die Stimmung kämpferisch. 

Am Samstag, 11. September, kamen in Berlin rund 20.000 Menschen zusammen, um gegen Wohnungsnot, Zwangsräumungen und für das Recht auf Wohnen zu demonstrieren. Denn die Teilnehmer:innen waren sich einig: Wohnen ist ein Menschenrecht, das nicht den Profitinteressen einiger Weniger untergeordnet werden darf.

Zahlreiche Redebeiträge zeigten auf, wie viele Bereiche des Lebens durch Wohnraum als Ware beeinträchtigt werden: Entwürdigung und psychischer Druck durch Existenzangst, rassistische Diskriminierung bei der Wohnungssuche, Obdachlosigkeit bei gleichzeitigem Leerstand, ein Mangel an Wohnung für gewaltbetroffene Frauen und Kinder. Deswegen forderten die Redner:innen immer wieder: Wohnungskonzerne enteignen! Die vielen tausend Demonstrant:innen antworteten mit tosendem Applaus.

Wer, wenn nicht wir selbst?

In den letzten zehn Jahren haben sich die Mieten in Berlin verdoppelt. Die Löhne nicht – der Druck auf Mieter:innen wird immer höher. Die Kampagne „Deutsche Wohnen enteignen“ schlägt deswegen vor, den Immobilienkonzern nach Artikel 15 des Grundgesetz zu enteignen und die Wohnungen zu vergesellschaften. Die im Grundgesetz vorgesehene Entschädigung könne aus Mieteinnahmen getilgt werden.

Einige Redner:innen gingen mit ihren Forderungen noch weiter: Nicht bloß einzelne Immobilienkonzerne, sondern das kapitalistische System seien für den katastrophalen Markt mit dem Menschenrecht auf Wohnen verantwortlich.

Deswegen spricht Harris vom Solidaritätsnetzwerk Leipzig auf der Demonstration über die Selbstorganisation von Mieter:innen: „Fakt ist, dass Familien mit mehr als einem Kind schlechte Chancen haben, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Und Fakt ist, dass die Mieterhöhung auch die Stadtteile erreichen wird, in denen die Mieten für uns gerade noch bezahlbar sind. Wir müssen uns schon jetzt als Mieter:innen organisieren! […] Wir werden dem Protest gegen die miserable Wohnungspolitik allerdings nur dann gerecht, wenn wir die Grundlage hierfür richtig benennen: Die Grundlage für all das liegt im kapitalistischen Wirtschaftssystem.“


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