Wegen anhaltend hoher Teuerungsrate schlagen Sozialverbände Alarm. Besonders der Preis von Obst und Gemüse steigt sogar überdurchschnittlich schnell. Dadurch wird eine gesunde und ausgewogene Ernährung für finanziell schwache Menschen zum Problem.

Im August lag die Inflationsrate in Deutschland bei 3,9 %. Vor diesem Hintergrund kritisiert Verena Bentele, Vorsitzende des Sozialverbands VdK, Obst und Gemüse würden für Geringverdienende und Menschen in Grundsicherung nun endgültig zum Luxusgut.

Lebensmittel sind dabei überdurchschnittlich stark im Preis angestiegen, im August hatten sich diese im Vergleich zum Vorjahresmonat um 4,6 % verteuert. Gemüse war im Durchschnitt um 9 % im Preis gestiegen, Salat sogar um knapp 40 %.

Neben den Lebensmitteln ist auch die Stromrechnung überdurchschnittlich stark von der Preissteigerung betroffen, die Energiepreise waren im August 12,6 % höher als ein Jahr zuvor.

Hartz IV-Empfänger:innen besonders betroffen

Menschen, die Arbeitslosengeld II beziehen, sind vom Preisanstieg von Lebensmitteln schon immer stark betroffen. Der Hartz-IV-Regelsatz sieht für den Kauf von Nahrungsmitteln 5 Euro am Tag vor, eine Bemessung, die nicht ausreichend ist. Selbst wenn der gesamte Regelsatz wie geplant am 1. Januar 2022 um 3 Euro angehoben wird, sind 449 Euro nicht ausreichend, um die grundlegendsten menschlichen Bedürfnisse zu erfüllen.

Die massiven Preissteigerungen im letzten Jahr sind dabei nach Angaben der Bundesregierung dabei noch nicht berücksichtigt worden. Eine erneute Anpassung der Hartz-IV-Sätze ist erst wieder für 2023 geplant.

Die „Erhöhung“ (faktisch Senkung) des Hartz IV Satzes wurde dabei vom Bundesarbeitsministerium in Abstimmung mit dem Finanzministerium vorbereitet. Beide Ministerien werden von SPD-Ministern geführt.

Bentele, die selbst Mitglied der Partei ist, dürfte das nicht freuen, sie kommentierte zutreffend: „Dass der Regelsatz nun um lächerliche drei Euro erhöht wurde, bestätigt, wie konsequent die Regierung lebensnotwendige Bedürfnisse von Menschen in Grundsicherung ignoriert.“

Es dürfte wohl die wenigstens Menschen in diesem Land beruhigen, wenn führende Ökonomen nun bekräftigen, die Inflation sei nur ein vorübergehender Effekt, was man unter anderem daran sehen könne, dass die Löhne bei weitem nicht im gleichen Maße wie die Preise ansteigen.

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft und die Deutsche Allianz Nichtübertragbarer Krankheiten schlagen derweil vor, dass Nahrungsmittel wie Obst, Gemüse und Nüsse von der Mehrwertsteuer befreit werden sollten, um eine gesunde und finanziell verträgliche Ernährung zu gewährleisten. Zuckerhaltige Produkte sollten hingegen mit einer Mehrwertsteuer von 29 Prozent belegt werden.


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