Die globale Verschuldung stieg im zweiten Quartal auf ein neues Rekordhoch von fast 300 Billionen US-Dollar.

Die weltweite Gesamtverschuldung stieg Ende Juni um 4,8 Billionen US-Dollar auf 296 Billionen US-Dollar. Sie umfasst alle Staats-, Haushalts-, Unternehmens- und Bankschulden. Nach einem leichten Rückgang im ersten Quartal liegt der Schuldenstand damit um 36 Billionen US-Dollar höher als vor der Pandemie. Das teilte das „Institute of International Finance“ (IIF) am Dienstag mit.

„Wenn die Kreditaufnahme in diesem Tempo weitergeht, erwarten wir, dass die globale Verschuldung 300 Billionen Dollar übersteigt“, erklärte Emre Tiftik, Direktor für Nachhaltigkeitsforschung beim IIF.

Der Schuldenanstieg war am höchsten in den sogenannten „Schwellenländern“. Hier ist die Gesamtverschuldung im zweiten Quartal gegenüber den vorangegangenen drei Monaten um 3,5 Billionen US-Dollar auf fast 92 Billionen US-Dollar gestiegen.

Schuldenquote geht zurück

Zugleich meldete der IIF erstmals seit Ausbruch der Corona-Pandemie einen Rückgang der weltweiten Schuldenquote – also das Verhältnis von Schulden zum Bruttoinlandsprodukt – aller auf der Welt hergestellten Güter. Durch einen wirtschaftlichen Aufschwung verringerte sich dies leicht.

Der IIF berichtete jedoch, dass die Erholung in vielen Fällen nicht stark genug gewesen sei, um die Schuldenquoten wieder unter das Niveau vor der Pandemie zu drücken.

Der Anteil der Verschuldung am Bruttoinlandsprodukt sank im zweiten Quartal auf rund 353% nach einem Rekordhoch von 362% in den ersten drei Monaten dieses Jahres.

Laut IIF liegen die Gesamtschuldenquoten ohne den Finanzsektor in nur fünf Ländern unter dem Niveau vor der Pandemie: Mexiko, Argentinien, Dänemark, Irland und Libanon.

Deutschlands Schulden steigen um fast 15% – innerhalb eines Jahres

China, Eurozone, USA

China verzeichnete im Vergleich zu anderen Ländern einen stärkeren Anstieg seiner Verschuldung, während die Schulden der Schwellenländer ohne China im zweiten Quartal auf ein neues Rekordhoch von 36 Billionen US-Dollar kletterten, getrieben durch eine Zunahme der Staatsverschuldung.

Der IIF stellte fest, dass die Verschuldung der entwickelten Volkswirtschaften – insbesondere der Eurozone – nach einem leichten Rückgang im ersten Quartal im zweiten Quartal wieder gestiegen ist.

In den Vereinigten Staaten war der Schuldenanstieg mit rund 490 Milliarden US-Dollar der langsamste seit Beginn der Pandemie, obwohl die Verschuldung der privaten Haushalte im Rekordtempo zunahm.

Private Verschuldung steigt

Weltweit stieg die Verschuldung der privaten Haushalte in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um 1,5 Billionen US-Dollar auf 55 Billionen US-Dollar. Der IIF stellte fest, dass fast ein Drittel der in seiner Studie untersuchten Länder im ersten Halbjahr einen Anstieg der Verschuldung der privaten Haushalte verzeichnete.

„Der Anstieg der Verschuldung der privaten Haushalte entspricht in fast allen großen Volkswirtschaften der Welt den steigenden Immobilienpreisen“, sagte Tiftik vom IIF.


Wir schreiben für Perspektive – ehrenamtlich und aus Überzeugung. Wir schalten keine Werbung und nehmen kein Geld von Staat oder Konzernen an. Hilf' uns dabei, unseren unabhängigen Journalismus zu erweitern: mit einer einmaligen Spende, einem regelmäßigen Beitrag bei Paypal, Steady oder am besten als Mitglied in unserem Förderverein.