In Bayern unterrichten rund 100 Lehrer:innen das Wahlpflichtfach „Islamischer Unterricht“. Dabei handelt es sich nicht um einen weiteren Religionsunterricht, sondern um eine „weltanschaulich neutrale“ Betrachtung der Inhalte. Kritik gibt es von allen Seiten.

An 400 Schulen ging mit dem neuen Schuljahr auch der umstrittene „Islamische Unterricht“ wieder los. Dieser soll eine Alternative zum Religionsunterricht für muslimische Schüler:innen darstellen. Schon lange, bevor die ersten Schüler:innen dieses Fach wählen und besuchen konnten, sorgte die Einführung für Kontroversen. Zuletzt hatte die AfD vor dem Verfassungsgerichtshof dagegen geklagt, jedoch nicht Recht erhalten.

Inhaltlich sei der Islamische Unterricht „kein Religionsunterricht wie der katholische oder evangelische“, so der Kultusminister. Inhalte des Islam sollen weltanschaulich neutral vermittelt werden. Anders als der christliche Religionsunterricht ist dieses Fach also nicht bekenntnisorientiert. Einfach gesagt: Im Lehrplan ist verankert, das mit den Inhalten christlicher Religionen weit weniger kritisch umgegangen werden soll.

Das sorgte insbesondere in einigen Familien für Ärgernis, die aufgrund mangelnder Informationen davon ausgingen, dass ihre Kinder einen islamischen Religionsunterricht besuchen könnten.

„Bewusst islamkritische Ressentiments“

Nicht nur von der faschistischen AfD gibt es Kritik am neuen Fach. Auch die Grüne kritisiert das Fach als verfassungswidrig. In dem Unterricht würde eine religiöse Unterweisung stattfinden. Bayern habe diese Hintertür des Unterrichtsfachs genutzt, um eine Funktion auszuüben, die die Verfassung eigentlich den Religionsgemeinschaften selbst vorbehält: religiöse Inhalte zu vermitteln und bewerten.

So werfen die Grünen der bayrischen Landesregierung vor, „bewusst islamkritische Ressentiments“ zu schüren, da die „Neukonzeptionierung des Wahlpflichtfachs offenkundig integrations- und sicherheitspolitisch motiviert sei.


Wir schreiben für Perspektive – ehrenamtlich und aus Überzeugung. Wir schalten keine Werbung und nehmen kein Geld von Staat oder Konzernen an. Hilf' uns dabei, unseren unabhängigen Journalismus zu erweitern: mit einer einmaligen Spende, einem regelmäßigen Beitrag bei Paypal, Steady oder am besten als Mitglied in unserem Förderverein.