Während Pandemie und Wirtschaftskrise sind die Preise für Wohneigentum, aber auch die Mietpreise stärker gestiegen, als vorher abzuschätzen war. Insbesondere in den Regionen, in denen Wohneigententum für Arbeiter:innen mit mittleren Einkommen noch finanzierbar war, stiegen die Preise stark.

In einer Studie untersuchten die Wirtschaftswissenschaftler Tobias Just und Rupert Eisfeld von der Universität Regensburg, wie sich der Wohnungsmarkt 2020 entwickelt hat. Dafür nutzten sie vergangene Schätzungen der Preise am Wohnungsmarkt und verglichen sie mit der tatsächlichen Preisentwicklung.

Regionale Unterschiede

Zuerst fällt auf, dass die Pandemie sich in verschiedenen Regionen unterschiedlich auf die Wohnpreisentwicklung ausgewirkt hat. In Städten stiegen die Angebotspreise von Eigentumswohnungen weniger stark, in ländlichen Gegenden umso stärker.

In Großsstädten stiegen die Angebotspreise um 0.8 Prozentpunkte weniger stark als vorab geschätzt. Stattdessen legten die Angebotspreise in „städtischen Kreisen“, zu denen typischerweise auch die jeweiligen Speckgürtel der Großstädte zählen, um 1,4 Prozentpunkte mehr zu. Am stärksten war der „Corona-Effekt“ auf die Angebotspreise von Eigentumswohnungen im dünn besiedelten, ländlichen Raum: Dort stiegen die Mieten um 5.6 Prpzentpunkte stärker als zuvor geschätzt.

Ähnlich entwickelten sich die Preise für Wohnhäuser, deren Wachstum in den Städten ebenfalls gedämpft wurde. Dort war der positive Effekt jedoch am stärksten in den städtischen Kreisen. Laut Just und Eisfeld seien es gerade diese städtischen Kreise, in denen auch Werktätige mit geringem oder durchschnittlichen Einkommen Wohneigentum finanzieren konnten. „Gerade für Haushalte ohne Ersparnis wurde der Zugang zu Wohneigentum im Zuge der Pandemie erschwert“, schlussfolgern sie.

Zusätzliche Mietkostenbelastung

Auf die Mietpreisentwicklung wirkte sich die Pandemie laut Studie insgesamt weniger stark aus. In Großstädten bremste die Pandemie das Wachstum der Mieten leicht (um 0.4 Prozentpunkte) aus. Die Mieten in weniger dicht bewohnten Gegenden stiegen um 0,7 bis 0,9 Prozentpunkte stärker.

Zeitgleich zu den vielerorts dennoch steigenden Mieten stieg zwar der Durchschnittslohn leicht. Einige Haushalte mussten dennoch während Pandemie und Wirtschaftskrise mit einem erheblich kleineren Einkommen auskommen. Der Anteil des Einkommens, der für Miete ausgegeben werden muss, stieg in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich. Allein im Jahr 2020 um 0,6 Prozentpunkte, sodass durchschnittlich 17 Prozent des Einkommens für die Miete aufgewandt werden müssen.

„Da vornehmlich Mieterhaushalte mit niedrigeren Einkommen einen überproportional hohen Anteil für die Miete ausgeben, dürfte sich die Belastung durch hohe Wohnkosten gerade in den unteren Einkommensgruppen verschärft haben“, so Just und Eisfeld.


Wir schreiben für Perspektive – ehrenamtlich und aus Überzeugung. Wir schalten keine Werbung und nehmen kein Geld von Staat oder Konzernen an. Hilf' uns dabei, unseren unabhängigen Journalismus zu erweitern: mit einer einmaligen Spende, einem regelmäßigen Beitrag bei Paypal, Steady oder am besten als Mitglied in unserem Förderverein.