Deutschland steuert geradewegs auf eine Versorgungsengpass zu. Hauptgründe dafür sind so wohl die Wirtschaftskrise, als auch ein enormer Mangel an LKW-Fahrer:innen. Den Transportunternehmen in Deutschland gehen langsam die Fahrer:innen aus, unter anderem ist das eine Folge unattraktiver Arbeitszeiten, schlechter Bezahlung und eines allgemein schlechten Images des Berufs.

In der Branche der LKW-Fahrer:innen fehlt es an Arbeitskräften, nach Angaben des Bundesverband für Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) fehlen bundesweit zwischen 60.000 und 80.000 Lkw-Fahrer – Tendenz steigend. Pro Jahr gehen etwa 30.000 Fahrer in Rente, es folgen allerdings nur 15.000 bis 20.000 Berufseinsteiger, die den Job des Lastwagenfahrer ergreifen.

„Wir warnen davor, dass wir auch in Westeuropa sehenden Auges in einen Versorgungskollaps laufen“, mahnt BGL-Vorstandssprecher Dirk Engelhardt, denn was ohne LKW-Fahrer:innen passiert lässt sich momentan in England bereits beobachten. Früher oder später bleiben die Supermarktregal leer. In England, Wales und Schottland fehlen um die 100.000 Fahrer:innen, das errechnete der Branchenverband Road Haulage Association. Die Vorsitzenden der großen britischen Supermarktketten Tesco und Iceland warnten vor der Weihnachtszeit. Es sei absehbar, dass es mit den üblichen Vorräten für die Feiertage schwierig werde.

Deutschland hat nun ein ähnliches Problem. Der überwiegende Teil des Güterverkehrs läuft über die Straße, im Jahr 2020 war auf deutschen Straßen rund 3,3 Millionen LKW’s unterwegs. Grade ein Mal 300.000 davon wurden neu zugelassen. Laut Statistischem Bundesamt legen die LKWs Transportwege von 498,6 Milliarden Tonnenkilometer zurück. 72,5 Prozent des Gesamtvolumen des deutschen Gütertransports entfallen auf Lkws.

Der Mangel an Fahrer:innen kommt nicht von ungefähr. Der Job hinterm LKW-Steuer ist kein leichter, die Schichten sind lang, die Fahrten häufig weit von zu Hause entfernt, häufig fehlt der Kontakt zu anderen Menschen. Doch es gibt noch andere Probleme: „Die allabendliche, oftmals vergebliche Parkplatzsuche gehört leider immer noch zum Arbeitsalltag Zehntausender Lkw-Fahrer in Deutschland“, so Engelhardt.Die Möglichkeiten, um sich auszuruhen oder auf der Strecke an Essen zu gelangen, sind gering. Hinzu kommen unhygienischen Toiletten und Duschen an LKW-Raststätten, ein schlechtes gesellschaftliches Ansehen und vor allem schlechte Bezahlung.

Ein wenig Abhilfe kann durch die Zulassung sogenannter Gigatrucks geschaffen werden, das sind längere Lastwagen. Dadurch würden weniger Fahrer:innen ausreichen. Langfristig ist das aber nicht die Lösung, sondern der Beruf der Fahrerenden muss wieder attraktiver werden. Durch praktisch Verbesserungen wie bessere Sanitäranlagen, besser Schlaf- und Parkangebote, so wie angenehmere Schichtpläne und mehr Gehalt. Ändert sich an den Zuständen nichts drohen laut Engelhardt „ab 2023 ernste Probleme“.


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