Die Bundestagswahl ist kaum vorbei, schon gibt es neue Ankündigungen, Stellen abbauen zu wollen. Bei VW sollen es 30.000 Arbeitsplätze sein. In Eisenach schickt Opel rund 1.300 Mitarbeiter:innen bis Ende des Jahres in Kurzarbeit. Die Angst geht um, dass das Werk dann gar nicht mehr aufmacht.

VW-Vorstandschef Herbert Diess hat erklärt, 30.000 Arbeitsplätze abbauen zu wollen, um die Transformation hin zum Bau von Elektroautos zu organisieren. Das berichtet das Handelsblatt am Mittwoch. Diess habe diese Aussage in einer Sitzung des Aufsichtsrats Ende September getätigt, Gewerkschaftsvertreter:innen hätten sich überrumpelt gefühlt.

Ein „Insider“ erklärte gegenüber Merkur.de jedoch, dabei habe es sich nur um ein „Schreckensszenario“ gehandelt, sollten der Umbau in Richtung E-Mobilität scheitern und auch das zentrale Konzern-Projekt „Trinity“ zum Flop werden.

Dabei könnte Trinity durchaus Arbeitsplatzabbau mit sich bringen. Hintergrund ist eine Verringerung der Produktionskomplexität. Denn derzeit werden in Wolfsburg Autokarossen noch aus verschiedenen Stahl- und Aluminiumblechen zusammengeschweißt. In Zukunft solle eine Karosserie aber aus einem Guss und ohne Verwendung einzelner Bleche gefertigt werden und zu großen Produktivitätszuwächsen führen.

Dies geschieht bereits bei Tesla, wo mit „nur“ 20.000 Arbeiter:innen ab Dezember bis zu 500.000 Autos pro Jahr produziert werden sollen. Bei VW in Wolfsburg arbeiten derzeit insgesamt 51.000 Menschen. Dieses Jahr dürfte es jedoch ein historisches Produktionstief geben – wobei es immer noch mehrere hunderttausend Autos sein dürften.

Drohungen um Druck aufzubauen

30.000 wegfallende Stellen – diese Ankündigung gab es schon einmal im Jahr 1993. Damals hatte sich die Konzernführung nach einer heftigen Diskussion im November mit der IG-Metall auf die Einführung der Vier-Tage-Woche und die Kürzung der wöchentlichen Arbeitszeit von 36 auf 28,8 Stunden geeinigt. Im Gegenzug sanken die Gehälter um zehn Prozent. Die Diskussion um den damaligen Massenkahlschlag gilt in Wolfsburg laut Merkur.de bis heute als traumatische Erfahrung.

Auch wenn der Abbau in diesem Umfang unwahrscheinlich ist – er kündigt doch massive Angriffe auf die VW-Arbeiter:innen an.

Kalte Werksschließung in Eisenach?

Bei Opel könnte es derweil bereits zu einer faktischen Werksschließung gekommen sein. Anfang Oktober sind im Eisenacher Werk alle 1.300 Arbeiter:innen in Kurzarbeit geschickt worden – bis zum Ende des Jahres. Zudem gibt es Berichte darüber, dass erste Teile nach Sochaux in Frankreich gebracht würden. Dies könnte darauf schließen lassen, dass die sich andeutende Schließung in Wahrheit eine Verlagerung der Produktion des Opel-Autos „GrandlandX“ nach Sochaux bedeutet.

Auch an an anderer Stelle werden solche Methoden einer „kalten Betriebsverlagerung“ angewendet. So will die Opel-Mutter Stellantis offenbar Stellen aus dem Entwicklungszentrum in Rüsselsheim nach Marokko verlagern. Das geht aus einer Mitarbeiter:inneninformation des Betriebsrats hervor, die der Wirtschaftswoche vorliegt. Darin heißt es: „Es verdichten sich die Hinweise, dass die nächste Stellantis-Reorganisation nicht nur bevorsteht, sondern teilweise in Bereichen schon rechtswidrig ohne vorherige Information, Beratung und Verhandlung mit der Arbeitnehmervertretung umgesetzt werden soll.“

So hätten sich Beschäftigte aus der Entwicklungsabteilung an den Betriebsrat gewandt, weil ihnen „in Personalgesprächen mitgeteilt worden sei, dass sie zu teuer seien und ihre Tätigkeiten nach Marokko verlagert würden, verbunden mit der Aufforderung, sie sollten sich nach einer neuen Tätigkeit umschauen“. Opel wollte das nicht kommentieren.


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