Die Bundesagentur für Arbeit meldet einen dramatischen Mangel an Arbeitskräften in Deutschland. Besonders Fachkräfte in den Bereichen Sozialpädagogik, Pflege und den MINT-Berufen sind Mangelware. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt begünstigt Lohnkämpfe von Arbeiter:innen.

Das deutsche Kapital sucht händeringend nach Arbeitskräften. Laut Angaben der Bundesagentur für Arbeit fehlen hiervon derzeit etwa 1,2 Millionen, davon allein 800.000 Fachkräfte. In ca. 70 Berufen gebe es demnach bereits regelrechte Personalengpässe auf Fachkräfteniveau.

Nach Daten des „Instituts der deutschen Wirtschaft“ (IW) ist der Mangel an Sozialpädagog:innen mit 18.300 Personen aktuell am größten. Die nächstgrößte Fachkräftelücke finde sich bei Alten- und Krankenpfleger:innen. Hier liege die Zahl in einer ähnlichen Größenordnung.

Besonders groß scheint die Sorge über den Personalmangel bei kleinen und mittelständischen Unternehmen zu sein. So forderte der Geschäftsführer des „Bundesverbands mittelständische Wirtschaft“ (BVMW), Markus Jerger, mehr Einwanderung von Fachkräften aus dem Ausland: „Wir brauchen die gezielte Einwanderung von Fachkräften, wobei die Betonung auf Fachkräfte liegt“. Laut Jerger müssten viele Unternehmen mangels Fachkräften bereits jetzt Aufträge ablehnen.

Die Preise steigen – also müssen auch die Löhne steigen!

Die mittelständischen Unternehmen beklagen darüber hinaus auch einen Mangel an Auszubildenden: „Es gibt in Deutschland mehr als 390 anerkannte Ausbildungsberufe, und in nahezu allen fehlt es an neuen Auszubildenden. So konnten zum Start des Ausbildungsjahres 2020 fast 60.000 Ausbildungsstellen nicht besetzt werden.“

Besonders akut sei die Lücke vor allem in den sogenannten „MINT“-Branchen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik), im Bereich Gesundheit und Pflege sowie im Handwerk zu spüren. 

Der empfindliche Mangel an Arbeitskräften ist aus Sicht des Kapitals gerade deshalb so bedrohlich, weil sich dadurch die Position der Arbeiter:innen in Lohnkämpfen naturgemäß deutlich verbessert: Die Lage auf dem Arbeitsmarkt könnte für die Lohnabhängigen in den betroffenen Branchen also eine Steilvorlage dafür sein, mit Streiks bessere Löhne durchzusetzen. 


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