Von der deutschen Öffentlichkeit mittlerweile weitgehend unbeachtet, spitzt sich die politische und militärische Lage in Myanmar weiter zu. Die UN warnt vor dem Ausbruch eines Bürgerkriegs. Kampfhandlungen zwischen verschiedenen bewaffneten Gruppen und der Militärregierung gibt es aber schon länger.

Am 1. Februar 2021 fand in Myanmar ein Militärputsch statt, bei dem die Regierungschefin Aung San Suu Kyi abgesetzt und durch ihre Regierung durch ein Militärregime ersetzt wurde. Das Militär ist dabei in Myanmar traditionell seit dem 2. Weltkrieg enorm stark und einflussreich und hatte bereits in der Vergangenheit mehrfach Militärputsche durchgeführt.

Nach der anfänglichen Empörung in westlichen Medien ist jedoch schnell Ruhe eingekehrt und der Fokus der Berichterstattung hat sich verschoben. Hintergrund dürfte sein, dass sich die Regierungen der NATO-Staaten und ihrer Verbündeten ohnehin außer Stande sehen, effektiv auf Seiten der abgesetzten Regierung zu intervenieren.

Das Militär ist nicht nur die mit weitem Abstand mächtigste Institution im Land, sondern steht auch seit der Unabhängigkeit 1948 traditionell China nahe. Diese Verbindung zieht sich bis in die Gegenwart und es ist davon auszugehen, dass China eine direkte Einmischung in Myanmar (einem direkten Nachbarland) nicht tolerieren würde und das auch deutlich gemacht hat.

Das Land war dabei historisch das ganze 20. Jahrhundert hindurch stark von der Spaltung in verschiedene Nationalitäten geprägt.

Von der britischen Besatzungsmacht beispielsweise wurden ethnische Minderheiten systematisch als Kolonialtruppen eingesetzt, um Aufstände niederzuschlagen. Die Bevölkerungsmehrheit der Birmanen machte 1938 zwar 75 % der Bevölkerung, aber nur 12 % der sogenannten „British Burma Army“ aus.

Auch in der Regierungszeit der im Westen so geschätzten Aung San Suu Kyi gibt es die systematische Vertreibung und Verfolgung der muslimischen Rohingya, die im Westen des Landes leben. Die dort aktive „Arakan Rohingya Salvation Army“ hatte Mitte der 2010er Jahre einen Aufstand angeführt, der brutal niedergeschlagen wurde. Die Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi wurde in diesem Zusammenhang immer wieder dafür kritisiert, die Vertreibung zu tolerieren und nicht klar zu verurteilen.

Die Geschichte des Landes hat eine enorme Zentralisierung der Macht im Militär hervorgebracht, aber andererseits auch dazu geführt, dass einzelne Nationalitäten im unterschiedlichen Ausmaß militärische Strukturen herausgebildet haben, um die eigene Bevölkerung gegen Übergriffe der Regierung zu schützen.

Einige von ihnen haben eine Allianz zur Bekämpfung der Militärregierung gebildet. Und die „Schattenregierung“ von Myanmar, die aus ehemaligen Parlamentsabgeordneten besteht, hat vor wenigen Wochen die Bevölkerung aufgerufen, sich mit Vorräten einzudecken, um sich auf einen Bürgerkrieg vorzubereiten.

Immer wieder kommt es zu Kämpfen zwischen lokalen Milizen und Regierungstruppen. Medien berichten von Vertreibungen in Regionen, in denen es viel Widerstand gegen die Militärregierung gibt, und tausende Anhänger:innen der abgesetzten Regierung sind in den letzten Wochen und Monaten vom Regime verhaftet worden. Während die UN jüngst noch vor einem Bürgerkrieg warnten, scheint dieser also längst im Gang zu sein.


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