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Samstag, Juli 13, 2024
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    Die Preise steigen – also müssen auch die Löhne steigen!

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    Die Warenpreise in Deutschland sind in diesem Jahr drastisch gestiegen. Besonders betroffen sind Lebensmittel, Kraftstoffe und Heizöl. Für die Arbeiter:innenklasse bedeutet das eine Verschlechterung ihres Lebensstandards – es sei denn, sie setzt jetzt deutlich höhere Löhne durch. – Ein Kommentar von Thomas Stark

    Viele Arbeiter:innen haben es in den letzten Monaten beim Einkaufen bemerkt, und jetzt haben es auch offizielle Statistiken wieder einmal bestätigt: Die Preise in Deutschland steigen rasant an. Laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes ist der Verbraucherpreisindex im August um 3,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. Dieser ist ein Durchschnittswert für die Teuerung in Geschäften, Restaurants, an Tankstellen und bei Dienstleistungen. Betrachtet man ausgewählte Waren im Detail, fällt das Bild noch drastischer aus. Der Preis für Eier etwa ist gegenüber August 2020 um 12,1 Prozent gestiegen. Kartoffeln sind um 13 Prozent teurer geworden, pflanzliche Speiseöle um 15,6 Prozent.

    Kraftstoffe und Heizöl besonders teuer

    Besonders stark verteuert haben sich Kraftstoffe. So kostet Superbenzin 26,4 Prozent mehr als noch vor einem Jahr, Heizöl 26,7 Prozent und Diesel 27,8 Prozent. Gerade der gestiegene Heizölpreis dürfte bei vielen Arbeiter:innenfamilien am Jahresende für unangenehme Überraschungen sorgen, wenn viele Mieter:innen ihre Nebenkostenabrechnungen erhalten. Spitzenreiter bei den Preissteigerungen sind Mietwagen (+ 44,9 %) und Flüssiggas (+ 49,9 %). Im Durchschnitt billiger geworden sind dagegen unter anderem Kino- und Theaterbesuche (-0,7%), Spielwaren (-3,3%) oder zahnärztliche Dienstleistungen (-5,5 %). Der preiswertere Zahnarzt- oder Kinobesuch dürfte die Mehrkosten im Supermarkt, an der Tankstelle und beim Heizen jedoch bei weitem nicht ausgleichen.

    Preisentwicklung dürfte sich weiter verschärfen

    Zwar macht sich bei den drastischen Zahlen vom August bemerkbar, dass die Mehrwertsteuer im vergangenen Jahr zeitweise abgesenkt und der Ölpreis auf einem Rekordtief war. Das ändert jedoch nichts daran, dass der allgemeine Trend hin zu deutlich steigenden Preisen geht. Nach der Bundestagswahl dürfte sich diese Entwicklung sogar verschärfen. Was alle Parteien im Wahlkampf wohlweislich verschwiegen haben, sind nämlich zukünftige Preissteigerungen z.B. bei Kraftstoffen aufgrund des geltenden Klimaschutzgesetzes. Da der deutsche Verkehrssektor seine Klimaziele bislang deutlich verfehlt, wird die nächste Bundesregierung die CO2-Steuer drastisch erhöhen müssen. Dabei handelt es sich um eine Art zusätzlicher Mehrwertsteuer, die am Ende von den Konsument:innen bezahlt wird – z.B. schon in diesem Jahr in Form gestiegener Heizkosten. Nach Modellrechnungen von Wirtschaftsinstituten könnte dieser CO2-Preis „im Extremfall“ auf bis zu 250 Euro je Tonne CO2 steigen. Das entspräche bei Benzin einer Verteuerung von 70 bis 80 Cent pro Liter.

    Lohnforderungen aufstellen und durchsetzen

    Arbeiter:innen in schlecht bezahlten Jobs, Teilzeitbeschäftigte und Rentner:innen werden die zusätzlichen Belastungen durch teurere Waren kaum stemmen können. Die Konsequenz hieraus wäre eine weitere einschneidende Senkung des Lebensstandards für viele Millionen Menschen in Deutschland.

    Die Arbeiter:innenklasse kann hier jedoch gegensteuern: Nämlich, indem sie Lohnsteigerungen mindestens in Höhe der Preisentwicklung einfordert. Schließlich verkaufen Arbeiter:innen den kapitalistischen Unternehmen ihre Arbeitskraft als Ware. Und diese wird eben gleichermaßen teurer, wenn die Preise für Lebensmittel, Fahrtkosten und andere Waren des täglichen Bedarfs steigen. Diese ökonomische Logik scheinen die Führungen der Gewerkschaften leider schon lange vergessen zu haben. Denn die Tarifabschlüsse des letzten Jahres enthielten entweder Nullrunden bei den Löhnen oder aber Entgeltsteigerungen, die deutlich unterhalb der Preisentwicklung lagen. Jeder Geschäftsführer einer Firma, der seine Waren derart billig verramscht, wäre schnell seinen Job los.

    Wollen die Arbeiter:innen in Deutschland ihren Lebensstandard verteidigen, müssen sie also selbst Lohnforderungen aufstellen, welche die Preisentwicklung ausgleichen, und diese auch im Kampf gegen die Kapitalist:innen durchsetzen. Das Mittel hierzu ist der Streik. Wie ein solcher funktioniert, haben die Eisenbahn-Kolleg:innen kürzlich vorgemacht.

    • Perspektive-Autor seit 2017. Schreibt vorwiegend über ökonomische und geopolitische Fragen. Lebt und arbeitet in Köln.

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