Der Handel mit Aktien des vor der Pleite stehenden Immobilienriesen „Evergrande“ wurde an der Börse von Hongkong ausgesetzt. Es will sich wohl ein Konkurrent bei dem chinesischen Unternehmen einkaufen. Oder ist es doch nur der Versuch, einen massiven Finanzcrash mit weltweiten Auswirkungen zu verhindern? Im Falle einer Insolvenz dürften sich deutsche Monopole keine Hoffnung auf Entschädigungen machen.

Die sich überschlagenden Nachrichten um den chinesischen Immobilienkonzern Evergrande halten auch hierzulande das Finanzkapital in Atem.

Nun wurde der Handel mit den Aktien des vor der Insolvenz stehenden Unternehmens an der Börse von Hongkong ausgesetzt. Dies geschieht nur in außergewöhnlichen Situationen. Grund dafür könnte eine bevorstehende Übernahme durch einen Konkurrenten aus der ehemaligen britischen Kolonie sein.

Übernahme durch chinesischen Konkurrenten?

Während die Börse in ihrer Mitteilung keine Gründe nannte, sprach der mit unglaublichen 300 Milliarden Dollar verschuldete Konzern davon, eine „große Transaktion“ zu erwarten. So soll der in Hongkong notierte Konkurrent „Hopson“ daran interessiert sein, 51 Prozent der Hausverwaltungssparte „Evergrande Property Services“ zu übernehmen. Laut dem chinesischen Nachrichtendienst Cailian soll dies für umgerechnet 4,4 Milliarden Euro über die Bühne gehen. Hopson äußerte sich jedoch nicht dazu. Dennoch wurde auch der Verkauf seiner Aktien ausgesetzt.

Initialzündung für den nächsten großen Crash?

Evergrande gilt inzwischen als das höchstverschuldete Immobilienunternehmen weltweit. Derzeit fehlt ihm das Geld, um fristgerecht andere Monopole (vor allem Banken), Zulieferer und Angestellte zu bezahlen.

Die chinesische Regierung zögert noch, den Immobilienriesen zu retten, und soll lokale Regierungen angewiesen haben, sich auf die gesellschaftlichen Folgen einer möglichen Insolvenz vorzubereiten. Derzeit warten 1,4 Millionen Menschen auf die Fertigstellung einer Wohnung von Evergrande.

Während Peking für chinesische Wohnungskäufer:innen Entschädigungen ankündigte, dürften diese für ausländische Gläubiger, wie zum Beispiel die Allianz, ausbleiben.

Wirtschaftskrise: Droht der nächste Finanzcrash in China?

Durch fällige Zahlungen ist das Unternehmen allerdings mit zahlreichen Monopolen weltweit verflochten, diese sind es wiederum mit anderen. Teile der Finanzwelt befürchten deshalb einen großen Crash inmitten der andauernden Wirtschaftskrise, wie es ihn etwa auch 2008 bei der Lehmann-Pleite gegeben hatte.


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