Die Inflation in Deutschland nimmt weiter an Fahrt auf. Zugleich wachsen die Sorgen, dass sich die Wirtschaftskrise wieder vertiefen könnte. Geringes Wirtschaftswachstum und eine hohe Inflation gelten Wirtschaftswissenschaftler:innen als besonders verheerende Mischung.

Die Inflation in Deutschland wird im Oktober vermutlich erneut gegenüber dem Vormonat ansteigen. Im September betrug sie 4,1%, für den Oktober werden bereits 4,5% erwartet. Selbst die Bundesbank, die als konservativ bei Prognosen gilt, hält 5% Inflation zum Jahresende für durchaus realistisch.

Hauptsächlicher preistreibender Faktor waren auch im Oktober die Energiekosten. Die Energiepreise lagen gegenüber dem Oktober im Vorjahr im Durchschnitt um 18,6% höher.

Prognosen über das Wirtschaftswachstum sowie Befragungen über die Auftragslage in den kapitalistischen Unternehmen mussten in den letzten Monaten fast zeitgleich kontinuierlich nach unten korrigiert werden.

Am Mittwoch hat der scheidende Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) seine vermutlich letzte Herbstprognose vorgestellt und musste die Erwartungen der Bundesregierung von 3,5 % auf 2,6 % nach unten berichtigen. Negative Wirtschaftsaussichten hatten zuvor auch verschiedene andere Wirtschaftsforschungsinstitute verkündet.

Auch der Geschäftsklimaindex des Münchner „ifo-Instituts“ sank die letzten vier Monate in Folge. Die Aufträge in der Wirtschaft waren im August um 8% zurückgegangen, die Produktion um 5%. Als ausschlaggebende Gründe hierfür geben die Unternehmen neben den hohen Energiepreisen auch den Materialmangel an.

Wenig beruhigend für die Arbeiter:innen dürfte sein, dass die „Wirtschaftsexpert:innen“ massiv davor warnen, dass Forderungen nach Lohnsteigerungen, welche die Inflation zumindest annähernd ausgleichen könnten, zu einer Lohn-Preis-Spirale führen würden. Faktisch wird also gefordert, dass im Interesse der wirtschaftlichen Erholung massive Reallohnverluste hinzunehmen sind.

Ob die Gewerkschaften jedoch ernsthaft versuchen werden, die Inflation – eventuell auch durch Arbeitskämpfe – auszugleichen, bleibt abzuwarten. Sebastian Dullien vom gewerkschaftsnahen „IMK-Institut“ versuchte beispielsweise gegenüber der Tagesschau die Gemüter zu beruhigen, indem er darauf verwies, dass die Forderungen bisher ja gar nicht höher als 2019 seien und damals auch nur eine Lohnsteigerung von durchschnittlich 3% erstritten wurde.

Der Blick in andere Länder gibt ebenfalls wenig Grund zum Optimismus über die Wirtschaftslage: In den USA stagnierte die Inflation in den letzten Monaten auf einem hohen Niveau über 5%, machte nun aber im Oktober nochmal einen Satz nach oben auf 5,4%.

Bisher war die Entwicklung der Inflationsrate in Deutschland in diesem Jahr der Steigerung der Inflationsrate in den USA um einige Monate versetzt gefolgt.


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