Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte unterdrückt unter dem Vorwand der Drogenkriminalität und der Corona-Pandemie die eigene Bevölkerung brutal. Doch in der migrantischen philippinischen Bevölkerung in den USA regt sich Widerstand im kulturellen Bereich. – Ein Kommentar von Stefan Pausitz.

Der philippinische Präsident, Rodrigo Duterte  von der „Partido Demikratiko Pilipino – Lakas ng Bayan“ (dt. Demokratische Partei der Philippinien – Macht des Volkes) kündigte vergangene Woche an, sich aus allen politischen Ämtern zurückziehen zu wollen. Als Nachfolgerin wünscht sich Duterte nun seine Tochter, Sara Duterte-Carpio. Auch der ehemalige Boxweltmeister Manny Pacquiao möchte nun im Kampf um die Präsidentschaftswahl mit antreten. Er gehört der gleichen Partei wie beide Dutertes an, die in der Vergangenheit die philippinische Bevölkerung massiv unterdrückten.

Während seiner Amtszeit ließ Duterte die philippinische Bevölkerung mehrmals mit Mordaufforderungen für vogelfrei erklären. Zu Beginn der Corona-Pandemie ermutigte er seine Sicherheitsleute mit: „Erschießt sie!“ auf alle Menschen zu schießen, die sich nicht an den Lockdown hielten. In dieser Zeit stieg die Arbeitslosigkeit der Bevölkerung auf 24 Millionen an. Gleichzeitig infizierten sich über 400.000 Menschen mit dem Virus.

Auch im Mai dieses Jahrs forderte Duterte sein Militär und Polizei auf, die Angehörigen der maoistischen „Kommunistischen Partei der Philippinen“ (CCP) zu erschießen. Mit „Tötet sie sofort!“ nahm er abermals kein Blatt vor den Mund. Im Jahr 2016 nutzte er ebenfalls seine Macht, um unter den Vorwand der Drogenbekämpfung gegen die verarmte Bevölkerung vorzugehen. Seine Nachfolger:innen werden keinen weniger brutalen Kurs einschlagen.

Musikalischer Widerstand aus den USA

2009 gründete sich in Kalifornien das Musiklabel „Beatrock Music“. Bis heute beheimatet das Label Aktivist:innen aus den Philippinen, die mit ihrer Musik ihren Frust gegen Unterdrückung und Ausbeutung zum Ausdruck bringen.

Besonders hervorzuheben ist, dass hier Hip Hop nicht als patriarchale Männerdomäne verstanden wird, sondern vor allem auch Rapperinnen gefördert werden. Ruby Ibarra zeigt beispielsweise mit ihren kämpferischen Tracks, wie sich Kultur und politischer Fortschritt vereinigen lassen. So rappt sie hauptsächlich auf Englisch, nutzt aber auch philippinische Dialekte, wie Tagalog und Waray.

In ihren Tracks rechnet sie mit patriarchaler Tradition ab und wird von weiteren philippinischen Rapperinnen, wie Rocky Rivera, Faith Santilla und Klassy unterstützt. So sagt Rapperin Rocky Rivera beispielsweise „I dont need to pray because I’m organized“ (dt. „Ich muss nicht beten, weil ich organisiert bin“). Während es wenig später in der Hook heißt:
„Island woman rise – walang makakatigil – brown, brown woman, rise – alamin ang yung ugat – they got nothing on us – nothin on us – nothing on us – isnag bagsak“ (dt. „Steht auf, Frauen von der Insel – Nichts kann uns aufhalten – steht auf, braune Frauen – vergesst nicht, wo ihr herkommt – Sie wissen nichts über uns – nichts über uns – nichts über uns – Wir stehen zusammen!“)

Dass es sich hierbei nicht nur um ein One-Hit-Wonder handelt, sondern um eine ernste Sache, zeigt der ebenfalls im Label vertretene Rapper BAMBU. Mit seinem Album „Party worker“ (dt. Parteiarbeiter:in) setzt er beispielsweise im Track „Minimum Wage“ (dt. Mindestlohn) auch Akzente gegen die herrschende Klasse – nicht nur auf den Philippinen, sondern weltweit.


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