Nach einer Testphase sollen der Polizei NRW 620 Elektroschock-Pistolen zur Verfügung stehen. In den fünf größten Polizeibehörden gehören die Taser nun zur Grundausstattung.

Innerhalb der annähernd elf Monate andauernden Testphase hätten Taser in 140 Einsätzen eine Rolle gespielt, wie Innenminister Reul (CDU) bekannt gibt. In aller Regel hätte es ausgereicht, die Verwendung eines „Distanzelektroimpulsgeräts“ anzudrohen. 25 Mal kam das Gerät tatsächlich während der Testphase zum Einsatz.

Weil man nach dem Prüfzeitraum das Instrument als geeignet bewerte, Polizist:innen wirklich vor Gewalt zu schützen, sollen nun die fünf größten Polizeibehörden NRWs den Taser als vermeintlich „nicht-tödliche“ Waffe in ihre Grundausstattung aufnehmen.

Innenminister Reul betont dabei stets die deeskalierende Wirkung der Taser. Sie würden nicht anstelle von, sondern ergänzend zu den bisherigen Bewaffnungen der Polizist:innen getragen. Durch ihre gelbe Farbgebung sollen sie schon von Weitem zu erkennen sein.

Es gibt heftige Kritik an dieser Aufrüstung der Landespolizei. Denn obwohl die deeskalierende Wirkung seitens der Polizei betont wird, bleibt ein Taser eine Schusswaffe, deren Einsatz lebensbedrohlich sein kann. In den USA sind die Geräte flächendeckend im Einsatz. Dort beklagen Menschenrechtsaktivist:innen mittlerweile mehr als 1.000 Tote durch Tasereinsätze seit dem Jahr 2000.

Die Polizei wirbt vor allem damit, dass der Taser auch gegen Menschen wirksam sei, die wegen Drogeneinflusses gegen Pfefferspray unempfindlich seien. Doch gerade für Menschen unter Einfluss von Alkohol oder anderen Drogen sind die Risiken beim Einsatz von Elektroschock-Pistolen besonders hoch.


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