Seit Monaten steigen die Preise für Waren und Konsumgüter. Die Deutsche Bundesbank hat nun in ihrem Monatsbericht eine noch höhere Inflation angekündigt. Im Oktober stiegen die Preise um 4,6%, was der höchste Anstieg seit 28 Jahren ist. Im November könnten es schon sechs Prozent sein.

Die Preise in Deutschland steigen so stark an wie lange nicht mehr. Nun meldete das Statistische Bundesamt für den Oktober eine Preissteigerung von 4,6 Prozent gegenüber Oktober 2020. Die 4,6 Prozent sind dabei nur ein Durchschnittswert. Betrachtet man bestimmte Warengruppen für sich, ist die Teuerung teilweise noch deutlich stärker. Allein für Nahrungsmittel liegt sie bei 4,9 Prozent, für Energie bei 14,3 Prozent. Einzelne Güter stechen dabei besonders hervor, so etwa Gemüse (+ 9,2 %), Kraftstoffe (+ 28,4 %) und Heizöl (+ 101,1 %).

Der kürzlich veröffentlichte Bericht spricht nun von weiteren Preissteigerungen in der kommenden Zeit. Für den aktuellen Monat könnte die Inflation sogar einen Wert von sechs Prozent erreichen, was einen 40-Jahres-Höchststand bedeuten würde.

Einen Teil des Anstiegs führt die Bundesbank auf die Absenkung der Mehrwertsteuer im vergangenen Jahr zurück. Diese war für ein paar Monate von 19% auf 16% abgesenkt worden. Seit Januar gilt wieder der höhere Mehrwertsteuersatz.

Das könnte dazu führen, dass ab Januar die Inflationsrate wieder etwas absinkt, allerdings gebe es dafür keine Garantie. Die Bundesbank schreibt dazu: „[Im Januar] sollte die Inflationsrate spürbar zurückgehen, obwohl die kräftig gestiegenen Marktnotierungen für Erdgas vermutlich zum Großteil erst nach dem Jahreswechsel an die Verbraucher weitergegeben werden“. Sie geht davon aus, dass die Teuerungsrate mit Beginn des nächsten Jahres etwas zurückgeht, „sie könnte aber noch für längere Zeit deutlich über 3 Prozent bleiben“, so die Bundesbank.

Der noch amtierende Bundesbankchef Jens Weidmann hat die Zentralbank vor einer zu langen Festlegung auf einen sehr lockeren geldpolitischen Kurs gewarnt. Die kommende Inflation sei nur schwer vorherzusehen. Er geht davon aus, dass es in der nächsten Zeit zu weiteren Preissteigerungen kommen wird. Weidmann hatte bereits vergangenen Monat sein Ausscheiden als Bundesbankchef bekannt gegeben.

Tarifrunden kommen nicht nach

Die erheblichen Preissteigerungen führen bei den meisten Arbeiter:innen zu einem großen Minus im Geldbeutel. Auch die vergleichsweise hohen Forderungen von bis zu 5%, wie sie etwa aktuell bei den Tarifrunden von der Gewerkschaft ver.di gefordert werden, können das kaum verhindern.

Erst kürzlich schloss die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) nach einem Arbeitskampf mit drei Warnstreikrunden einen neuen Tarifvertrag ab. Dabei konnte sie lediglich eine Erhöhung der Löhne um 1,5% im Dezember 2021 und um 1,8% im März 2023 durchsetzen. Im Kontext von hoher und weiter hoch bleibender – oder sogar steigender – Inflation ist dies eine erhebliche Lohnsenkung.


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