Der Handelsverband stellt sich gegen die 2G-Regel beim Einkaufen. Sollte sie sich endgültig durchsetzen, dann drohten ihm zufolge lange Schlangen vor den Läden und Firmenpleiten. Stattdessen fordert sein Hauptgeschäftsführer Genth striktere Impfregelungen. – Ein Kommentar von Tabea Karlo

Der Einzelhandel fürchtet vermehrte Firmenpleiten bei flächendeckender Einführung der 2G-Regelungen beim Einkaufen. Der „Handelsverband Deutschland“ (HDE) lehnt die zusätzlichen Auflagen für den Einzelhandel, wie sie zum Beispiel seit kurzem in Sachsen gelten, ab. HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth äußerte bei einem Kongress in Berlin, dass er angesichts der Hygienekonzepte im Handel weder einen neuen Lockdown für die Geschäfte, noch eine 2G-Regelung beim Zugang zu den Läden für nötig oder sinnvoll erachtet. Die Maskenpflicht sei seiner Meinung nach ausreichend, um die Kunden vor der Ansteckung mit Corona zu schützen.

Gesetzt den Fall, dass 2G flächendeckend für den Einzelhandel eingeführt würde, „werden wir einen Umsatz und Frequenzrückgang haben, der so massiv ist, dass viele Unternehmen das mit Sicherheit im Winter, im Weihnachtsgeschäft nicht überstehen können“, so Genth. In einem Gespräch mit dem Handelsblatt äußerte er außerdem, dass die neuen Regelungen einen hohen Aufwand für die Geschäfte bedeuten würden. Die Kontrolle an den Eingängen würde seiner Meinung nach zu langen Schlangen vor den Läden führen.

Statt einer Schließung der Geschäfte fordert der HDE-Geschäftsführer striktere Impfregelungen und verweist dabei auf die französische Vorgehensweise: Er könne nicht verstehen, warum es keinen festen Krisenstab im Kanzleramt gäbe und wünsche sich „wesentlich stringentere Managementqualitäten“. Vor kurzem forderte der Handelsverband außerdem, die staatlichen Corona-Hilfen über das Jahresende hinaus zu verlängern.

Während in der Befürchtung Genths, dass 2G zu noch mehr Pleiten führen könnte, durchaus Wahrheit steckt, muss man darüber hinaus auch die vielen kleineren Unternehmungen in den Blick nehmen. Viele der bescheidenen Supermärkte, die nicht zu großen Ketten gehören, bzw. Franchise-Unternehmen, bei denen die Risikolast vor allem auf die Pächter:innen des jeweiligen Standorts abgeladen wird, werden weit größere Probleme haben, den Aufwand einer 2G-Regelung zu bewältigen als die Großkonzerne. Die Einstellung zusätzlichen Personals ist z.B für Unternehmen ohne eigene Personalabteilung viel schwieriger zu bewältigen. Außerdem entstünde durch die Auflagen natürlich ein weiterer Umsatzverlust.

Außerdem bleibt Genth, ganz seinem Berufsbild entsprechend, auf der ökonomischen Ebene stehen. Während er 2G vor allem kritisch sieht, weil er darin Profit-Verluste für den Handel vermutet, muss man die Regelung auch aus gesellschaftspolitischer Perspektive kritisch sehen: 2G beim Einkaufen bedeutet im Endeffekt, die Gesellschaft noch mehr zu spalten.

Während Konzerne selbst bei den dramatischsten Inzidenzen ihre Standorte geöffnet lassen und ihre Arbeiter:innen teilweise sogar aus dem Homeoffice zurück holen dürfen und dabei weiter Profit einstreichen, müssen Ungeimpfte für genau diesen Profit zwar weiterhin arbeiten gehen, ihnen wird jedoch zeitgleich die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben versagt.


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