Die Initiative zum Gedenken an Oury Jalloh stellte die Ergebnisse eines weiteren forensischen Brandgutachtens vor. Erneut werden die Polizisten stark belastet. Die Familie Jalloh hofft nun darauf, dass die Ermittlungen wieder aufgenommen werden.

In einer internationalen Pressekonferenz stellten ein forensischer Brandexperte, die Internationale unabhängige Untersuchungskommission und die Familie von Oury Jalloh vor, was ein neues Brandgutachten ergeben hat. Auch 17 Jahre nach seinem Tod kämpfen Angehörige gemeinsam mit der Initiative zum Gedenken an Oury Jalloh dafür, dass die Polizeigewalt, die der junge Mann erlebt hat, aufgeklärt wird.

Deswegen haben sie nun schon zum zweiten Mal ein eigenes, unabhängiges Brandgutachten beauftragt. „Die heutige Konferenz ist ein Beleg für die unermüdlichen und langjährigen Bemühungen der Hinterbliebenen, Freunde und Unterstützer aus ganz Deutschland, die bis heute nicht davon überzeugt sind, dass Herr Jalloh sich auf die Art und Weise verbrannt haben könnte, wie es während des Gerichtsverfahrens behauptet wurde. Dieser neue Brandversuch hat die physikalischen Dimensionen und Eigenschaften der Zelle Nr. 5 mit hoher Genauigkeit reproduziert.„, nimmt die Internationalen Unabhängigen Kommission zum Tod von Oury Jalloh Stellung.

Brandexperte Iain Peck stellte in einem Versuch die Bedingungen aus der Gefängniszelle möglichst exakt nach. Er kommt zum Schluss, dass es „höchstwahrscheinlich [ist], dass am 7. Januar 2005 eine Menge einer flüchtigen entzündbaren Flüssigkeit wie Benzin über Herrn Jalloh gegossen und absichtlich entzündet wurde„. Das widerspricht erneut den Darstellungen der Polizei, dass Oury Jalloh sich selbst in Brand gesetzt habe.

Das erneute Gutachten ist nur eines von vielen belastenden Ergebnissen, die die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh zu Tage befördert hat. So konnte 2019 ein Gutachten veröffentlicht werden, dass nahe legt, dass Jalloh auch schon vor seinem Tod heftige Gewalt erlebt hat.

Neue Beweise im Fall Oury Jalloh zeigen massive Misshandlungen vor seinem Tod

Mit dem nun vorgelegten Brandgutachten, dass die Polizei erneut stark belastet, hofft Jallohs Familie darauf, dass die Ermittlungen erneut aufgenommen werden. Erst vor wenigen Wochen verhinderte die SPD in Sachsen-Anhalt einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu seinem Fall.

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