Eine 30-jährige verstarb in der 22. Schwangerschaftswoche an einem septischen Schock. Die Ärzt:innen entschieden sich trotz drohender Lebensgefahr für die Schwangere, keinen Abbruch durchzuführen. Nun sind tausende auf der Straße und machen das Abtreibungsverbot für Izabelas Tod verantwortlich. 

Izabela (30) gilt als erstes Opfer der neuen, rigiden Abtreibungsregel. Sie soll in der 22. Schwangerschaftswoche an einem septischen Schock gestorben sein. Es war absehbar, dass der Fötus die Schwangerschaft nicht überleben würde. Statt einer Abtreibung warteten die Ärzt:innen, bis das Herz des Ungeborenen aufhört zu schlagen.

Ihre Familie gibt an, dass Izabella ein Krankenhaus aufsuchte, als ihre Fruchtblase platzte. „Das Baby wiegt 485 Gramm. Jetzt, dank des Abtreibungsgesetzes, muss ich hier liegen. Es gibt nichts, was die [die Ärzt:innen] tun können. Sie warten bis es stirbt oder etwas beginnt, und wenn nicht, kann ich mit einer Sepsis rechnen“, schrieb Izabela ihrer Muter aus dem Krankenhaus.

Als kein Herzschlag des Fötus mehr zu vernehmen war, sollten die Ärzt:innen einen Kaiserschnitt durchführen. Die Anwältin der Familia gibt an, dass Izabelas Herzschlag auf dem Weg in den OP aufhörte zu schlagen. Versuche, sie wiederzubeleben, blieben erfolglos.

Regierung weist Verantwortung von sich

Die Regierung verweist die Schuld an die Krankenhausbeschäftigten. Im Fall lebensbedrohlicher Belastung der Schwangeren durch die Schwangerschaft sei eine Abtreibung möglich.

Das Krankenhaus gibt bekannt: „Es sollte betont werden, dass alle medizinischen Entscheidungen unter den legalen Rahmenbedingungen und gültigen Verfahrensstandards in Polen getroffen wurden“. Das Pszczyna County gibt in einer Mitteilung an, den Schmerz derer zu teilen, die von Izabelas Tod betroffen sind, insbesondere ihrer Familie.

Aktivist:innen für das Recht auf körperliche Selbstbestimmung prangern jetzt an: Izabela könnte noch leben, hätte das erzkatholische Regierung nicht vor einem Jahr Schwangerschaftsabbrüche nahezu vollständig verboten. Denn auch wenn eine Ausnahme in diesem Fall möglich gewesen wäre, würde das neue Gesetz Ärzt:innen davon abholten, selbst in Notfällen Abbrüche durchzuführen. Die behandelnden Ärzt:innen wurden inzwischen suspendiert.

Nicht eine mehr!

Unter dem Hashtag #anijednejwiecej (Nicht eine mehr) formierte sich schnell Protest. Vor etwa einem Jahr hatten sich zehntausende die Straßen genommen, Dörfer und Städte lahmgelegt, aus Protest gegen ein nahezu vollständiges Abtreibungsverbot.

Eine Großdemonstration zog deswegen durch Warschau, vom Verfassungstribunal zum Gesundheitsministerium.


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