Jedes Jahr sind am 25. November hunderttausende Frauen in verschiedensten Ländern auf der Straße. Der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen ist seit 1999 von der UN anerkannt. Doch den Tag gab es schon lange vorher.

Er ist auch keine Erfindung gut situierter Beamt:innen, sondern geht auf den militanten Widerstand und die revolutionäre Organisierung dreier mutiger Frauen zurück, die dem Faschismus in ihrem Land den Kampf angesagt haben. Gerade jetzt ist ein guter Zeitpunkt, um sich an den widerständigen Ursprung des 25. November zu erinnern. 

Die Schwestern Mirabal

Der 25. November geht zurück auf das Datum, an dem die Mirabal-Schwestern Patria, Minerva und Maria Teresa ermordet wurden. Die Geschichte ihres Widerstands in der Dominikanischen Republik beginnt, als sich der rechtsextreme Diktator Rafael Trujillo 1930 mithilfe der US-amerikanischen Truppen an die Macht putschte. 
Trujillo war ein Faschist, Rassist und Frauenhasser, an dem sich viele Diktatoren in Südamerika später ein Beispiel nahmen. Er zwang Frauen und auch junge Mädchen zu sexuellen Kontakten. Er hatte das Sagen über alle bedeutenden Wirtschaftszweige des Landes und beutete die Arbeiter:innen der Republik hemmungslos aus. Während er von einer weißen dominikanischen Republik schwärmte und Schwarze Arbeiter:innen in ihrer Arbeitszeit ermorden ließ, pflegte er beste Kontakte zur US-amerikanischen Regierung und der katholischen Kirche. 
Im Land gab es mutigen Widerstand gegen dieses Unrechtsregime. In den 1940ern konnten die Mirabal-Schwestern sich mittels ausländischer Radiosender über die ökonomische und politische Lage ihres Landes bilden. Bald wurden sie in der revolutionären Gruppe des 14. Juni  zu den führenden Kräften im Kampf darum, Trujillo und die Diktatur zu stürzen.
Unter Trujillo gehörten Folter und Morde an Oppositionellen zum Tagesgeschäft. So wurden auch die Schwestern inhaftiert und gefoltert, auf öffentlichen Druck hin aber freigelassen. Wenig später schickte der Diktator seine Soldaten, das Auto der Mirabals anzuhalten. Sie wurden ermordet und ihr Auto eine Klippe heruntergestürzt – so verkaufte Trujillo viele politische Morde als Unfälle. 
Die Mirabal-Schwestern haben vorgelebt: Es gibt keine Themen, zu denen nur Männer etwas zu sagen hätten. Jeder politische Angriff trifft die Frauen einer Gesellschaft weit mehr. Gewalt gegen Frauen hat unendlich viele Gesichter: Feminizide wie der an den Mirabal-Schwestern, ein Pandemie-Management auf dem Rücken von Müttern, eine Wirtschaftskrise, die prekär beschäftigte Frauen umso härter trifft, absolute Entrechtung, wie die Taliban sie umzusetzen versuchen, steigende Zahlen von Frauenmorden im Lockdown.

Kraft aus der Geschichte ziehen

Der Ursprung des Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen zeigt uns unmissverständlich: Es ging nie um die „armen Frauen, denen endlich geholfen werden muss“. Der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen ist kein Tag des Mitleids. Er ist auch kein Tag warmer Worte oder symbolischer Akte, wie die UN ihn gestaltet. Stattdessen führt er zurück auf drei tapfere Frauen, die die Kraft hatten, trotz mehrfacher Last auf ihren Schultern gegen Unrecht aufzustehen. Den Kampf gegen ihre Unterdrückung als Frauen haben sie Hand in Hand mit dem gegen die kapitalistische Ausbeutung und die rassistische Gewalt geführt. Sie haben erkannt, dass es eine radikale Veränderung und dafür starke Organisierung braucht. 
Nutzen wir als Frauen diesen 25. November, um Kraft aus unserer Geschichte zu ziehen. Denn unsere Geschichte ist die heftigster Gewalt und schonungsloser Ausbeutung. Aber es ist auch eine Geschichte von vielen ganz unterschiedlichen Frauen, die sich zur Aufgabe gemacht haben, gemeinsam gegen diese Gewalt vorzugehen.