Am vergangenen Montag starb ein 24-Jähriger mit griechischen Wurzeln in Polizeigewahrsam. Mittlerweile wird der Fall auch in der griechischen Politik diskutiert: ein Europaabgeordneter der „Kommunistischen Partei Griechenlands“ (KKE) forderte die griechische Botschaft auf, die deutsche Regierung zur Aufklärung zu drängen. Ein von Perspektive Online veröffentlichtes Video von Protesten verbreitet sich derweil auch in Griechenland weiter. Nun ist auch in Frankfurt eine Aktion angekündigt.

Die Zentraleuropäische Branchenorganisation der „Kommunistischen Partei Griechenlands“ (KKE) fordert eine Untersuchung der Todesursachen und -umstände des 24-jährigen Giorgos Zantiotis. Dafür habe Costas Papadakis, Mitglied des Europäischen Parlaments und Mitglied des KKE-Zentralkomitees, den griechischen Botschafter in Deutschland angerufen, wie die Parteinahe Zeitung 902.gr berichtet.

In einer öffentlichen Erklärung heißt es: „Der Tod des 24-jährigen griechischen Arbeiters einer Fast-Food-Kette, der in einem Wuppertaler Polizeirevier inhaftiert war, wirft viele Fragen auf.“ Es gebe einen „ernsthaften Verdacht“, dass Ereignisse „vertuscht“ werden sollten, die zum Tod des jungen Mannes geführt haben.

In der Erklärung wird zudem Bezug auf eine allgemeine Verschärfung von polizeilicher Repression genommen: „Es kein Zufall, dass das Land Nordrhein-Westfalen zuletzt ein reaktionäres Versammlungsgesetz fördert. Die Politik aller bürgerlichen Regierungen ist die Stärkung repressiver Mechanismen, Autoritarismus. Ihr Ziel ist es, einzuschüchtern, die verbleibenden Volksfreiheiten zu begrenzen und die Schaffung von unterwürfigen Arbeitern. Sie zielen darauf ab, Demonstrationen zu reduzieren und das Streikrecht abzuschaffen.“

Es sei bezeichnend, dass die griechischen Behörden bisher nicht öffentlich Stellung genommen hätten. „Die griechische Regierung ist verpflichtet, die deutsche Regierung unverzüglich um Aufklärung über die wahren Ursachen und Umstände seines Todes zu bitten und seine brutale Behandlung zu verurteilen.“, heißt es weiter.

Am Sonntag-Abend hatte in Wuppertal eine Demonstration stattgefunden, von der Perspektive Online berichtete. Videos der Aktionen wurden in Griechenland tausendfach aufgerufen und auch im griechischen Fernsehen gezeigt.

In Frankfurt haben derweil „Copwatch FFM“ und die Initiative „Gerechtigkeit für Giórgos Zantiótis“ für den 12.11.2021 um 17 Uhr zu einer Kundgebung auf der Konstablerwache aufgerufen.

Toni Fischer, Sprecher des Bündnisses meint dazu: „Wir haben ein Polizeiproblem. Fehlverhalten in den eigenen Reihen und etwaige Verbrechen werden in der Polizei nicht geahndet. Allein dieses Jahr sind laut Angaben der Initiative ‚Death in Custody‘ in Deutschland fünf von Rassismus betroffene Menschen in Polizeigewahrsam gestorben. Mit Giórgos Zantiótis sind es sechs. Dass Angehörige und die Öffentlichkeit nicht informiert werden und im Nachgang von „Drogenkonsum“ der Toten gesprochen wird, ist ein gängiges Muster. Wir fordern deshalb Gerechtigkeit für Giórgos Zantiótis, den Rücktritt der Verantwortlichen, insbesondere des Innenministers Herbert Reul und des Oberstaatsanwalts Wolf-Tilman Baumert und eine lückenlose Aufklärung des Falls, besonders für die Angehörigen!“


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