Die Gewerkschaft ver.di ruft seit gestern zu Streiks bei Versandzentren des Konzerns Amazon auf. Damit soll das Weihnachtsgeschäft gestört und Druck aufgebaut werden, um einen Tarifvertrag und höhere Löhne für die Arbeiter:innen durchzusetzen.

An den sieben deutschen Standorten wird zu den Streiks aufgerufen: in Graben bei Augsburg, Leipzig, Bad Hersfeld (zwei Standorte), Werne, Rheinberg und Koblenz. In Koblenz wurde bereits vom 16.12.-18.12. gestreikt.

Die Löhne der Arbeiter:innen in den Versandzentren liegen deutlich unter dem Durchschnitt, verglichen mit den Löhnen der Kolleg:innen im Einzel- und Versandhandel. Der Deutschland-Chef von Amazon, Rocco Bräuniger, will mit ver.di jedoch keinen verbindlichen Tarifvertrag abschließen, der die Höhe der Löhne entsprechend der Branche festschreiben würde. Orhan Akman von ver.di sagt dazu: „Herr Bräuniger hat in einem Interview angekündigt, dass er den gewerkschaftsfeindlichen Kurs seines Vorgängers Ralf Kleber fortsetzen will“.

Der Konzern zahlt seinen fest angestellten Mitarbeiter:innen in den Versandzentren ein Weihnachtsgeld von gerade einmal 400 Euro, und das, obwohl es gerade vor Weihnachten ein extrem anstrengender Job ist. Nach dem hessischen Tarifvertrag müsste das Weihnachtsgeld in diesen Fällen circa 1.537 Euro betragen.

Es ist der sechste größere Streik, den ver.di in diesem Jahr in den Amazon Versandzentren organisiert. Wie auch schon im letzten Jahr versucht die Gewerkschaft, den Onlineriesen durch Streiks im Weihnachtsgeschäft und rund um den Black Friday unter Druck zu setzen.

„Amazon wird uns nicht gehen lassen“ – nun sind sechs Arbeiter:innen tot

Dass die Rechte von Arbeiter:innen bei Konzernen wie Amazon keine Rolle spielen, zeigt nicht nur dieses Beispiel: Vor kurzem gab es in dem US-Bundesstaat Illinois eine Tornado-Warnung. Dort haben rund 30 Tornados eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. In einem der Warenlager von Amazon mussten die Arbeiter:innen trotzdem arbeiten. Das Dach des Gebäudes stürzte aufgrund des Unwetters ein, sechs Arbeiter:innen wurden getötet.

In dem gleichen Fall zwang Amazon auch seine Paket-Lieferant:innen, die Pakete weiter auszufahren. Einer Fahrerin wurde mit Kündigung gedroht, wenn sie nicht weiter arbeiten würde.


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