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Donnerstag, Juli 25, 2024
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    Chile: Das Geschäft mit dem Lithium

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    Ein Gericht hat die Privatisierung des Lithiumabbaus in Chile vorerst gestoppt. Der scheidende Präsident Piñera hatte die Förder- und Vermarktungsrechte zuvor im Alleingang an zwei Konzerne vergeben. Lithium ist ein entscheidender Rohstoff für den weltweiten Umstieg auf erneuerbare Energien und Elektroautos. Der Abbau des Leichtmetalls hat aber seinerseits wieder verheerende Umweltfolgen.

    Die Auseinandersetzung um das chilenische Lithium geht in die nächste Runde: Ein Berufungsgericht der Stadt Copiapó im Norden des Landes hat am Freitag eine Entscheidung von Präsident Piñera über die Privatisierung des Rohstoffs vorerst außer Kraft gesetzt. Das Gericht stimmte damit einem Schutzgesuch des Gouverneurs der Region Atacama und einer Reihe von indigenen Gemeinden zu.

    Der konservative Politiker und Milliardär Sebastian Piñera hatte die Förder- und Vermarktungsrechte an dem Rohstoff in der vergangenen Woche an den chinesischen Konzern BYD und die Firma Servicios y Operaciones Mineras del Norte vergeben, das zur Unternehmensgruppe der chilenischen Familie Errázuriz gehört. Die beiden Unternehmen durften demnach bis zum Jahr 2050 jeweils 80.000 Tonnen Lithium in der Atacama-Region abbauen.

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    Entscheidung sollte neue Regierung binden

    Piñeras Lithium-Deal hatte im Land einen Sturm der Entrüstung und der Proteste ausgelöst – auch deshalb, weil er seine Amtsgeschäfte bereits in wenigen Wochen an Gabriel Boric von der linken Koalition Apruebo Dignidad abgibt. Durch die Privatisierung würde Piñera Tatsachen schaffen und der Nachfolgeregierung die Hände binden. Boric hatte angekündigt, dass der Abbau und Vertrieb des chilenischen Lithiums in Zukunft durch eine staatliche Firma geschehen soll. Zudem soll eine Verfassunggebende Versammlung in Kürze unter anderem über die Eigentumsrechte an den natürlichen Rohstoffen des Landes beraten.

    Entscheidender Rohstoff für erneuerbare Energien und Elektroautos

    Das Leichtmetall Lithium wird für den Bau von Batterien benötigt, wie sie in Smartphones, Laptops oder Elektroautos verwendet werden. Auch die meisten Großbatterien zur Speicherung von überschüssiger Energie aus erneuerbaren Quellen wie Sone und Wind sind derzeit Lithium-Ionen-Batterien. Das Material hat deshalb entscheidende Bedeutung für den weltweiten Umstieg auf erneuerbare Energien und die Umstellung der Autoindustrie.

    32 Prozent des heute produzierten Lithiums kommen dabei aus Chile, das damit nach Australien das zweitgrößte Förderland ist. Bei den geschätzten Vorkommen wird Chile wiederum nur noch vom Nachbarland Bolivien übertroffen. Dort spielte die Auseinandersetzung um die nationalen Lithiumvorkommen eine entscheidende Rolle beim rechten Putsch von 2019.

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    Verheerende Umweltfolgen durch Lithiumabbau

    Die Förderung des Metalls hat aber auch schwerwiegende Folgen für die Umwelt: Für den Abbau einer Tonne Lithium werden knapp 2,3 Millionen Liter Wasser benötigt. In der chilenischen Atacama-Wüste wird der Lithiumabbau daher für den fortschreitenden Wassermangel für Menschen und Felder verantwortlich gemacht. Da es jedoch billiger ist, mehr Lithium zu fördern als alte Batterien zu recyceln, dürfte die Nachfrage nach dem Metall weiter stark ansteigen. Einer Studie zufolge könnte sich die weltweite Lithium-Nachfrage in den kommenden 35 Jahren verfünffachen.

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