Dass der Kapitalismus massive Ungleichheit hervorbringt, ist bekannt. Doch diese entwickelt sich gerade so rasant wie selten zuvor – auch in Deutschland. Die Folgen sind zehntausende Tote täglich.

Die Hilfsorganisation “Oxfam” hat eine neue Analyse mit dem Titel „Ungleichheit tötet“ veröffentlicht. Demnach würde die massive weltweite Ungleichheit zum Tod von mindestens 21.000 Menschen pro Tag beitragen – das heißt, dass alle vier Sekunden ein Mensch wegen kapitalistischer Ungerechtigkeit stirbt. Diese geschätzte Zahl wurde auf der Grundlage der weltweiten Todesfälle durch mangelnden Zugang zu medizinischer Versorgung, aufgrund geschlechtsspezifischer Gewalt, Hunger und Klimakatastrophen ermittelt.

Evelien van Roemburg, Leiterin des EU-Büros von Oxfam, erklärt dazu: “Extreme Ungleichheit ist eine Form von wirtschaftlicher Gewalt, bei der Politik und politische Entscheidungen, die den Reichtum und die Macht einiger weniger Privilegierter aufrechterhalten, der großen Mehrheit der Menschen auf der Welt und dem Planeten selbst direkten Schaden zufügen.”

Reichtumsexplosion bei Milliardär:innen

Der Reichtum der Milliardär:innen sei seit Beginn der COVID-19-Pandemie stärker angestiegen als in den letzten 14 Jahren. Mit 5 Billionen Dollar gäbe es hier den größten Anstieg des Vermögens von Milliardär:innen seit Beginn der Aufzeichnungen.

In der EU und im Vereinigten Königreich ist der Reichtum der Milliardär:innen seit März 2020, dem Beginn der Pandemie, um 642 Milliarden Euro gestiegen. Dies entspricht einem Zuwachs von 46%, während der Anteil der unteren 90% der Bevölkerung im Jahr 2021 sank. Derzeit verfügen die 107 reichsten Menschen in der EU und im Vereinigten Königreich über mehr Besitz (1.377 Mrd. EUR) als die unteren 179 Millionen Bürger (1.374 Mrd. EUR).

Auch in Deutschland habe die Konzentration der Vermögen weiter zugenommen. Hierzulande hätten die zehn reichsten Personen ihr kumuliertes Vermögen von 144 Milliarden Dollar auf etwa 256 Milliarden gesteigert. Dies sei ein Anstieg um etwa 78%.

Trotz der enormen Kosten der Pandemiebekämpfung hätten es die Regierungen der reichen Länder in den letzten zwei Jahren „versäumt, die Steuern auf das Vermögen der Reichsten zu erhöhen und stattdessen öffentliche Güter wie die Impfstoffforschung weiter privatisiert“. Sie hätten zudem Unternehmensmonopole in einem solchen Ausmaß gefördert, dass allein in der Zeit der Pandemie die Marktkonzentration in einem Jahr stärker zu steigen droht als in den vergangenen 15 Jahren von 2000 bis 2015.

“Unsere Wirtschaftsstrukturen haben nicht nur dazu geführt, dass wir alle weniger sicher vor dieser Pandemie sind, sondern sie ermöglichen es auch denjenigen, die bereits extrem reich und mächtig sind, diese Krise für ihren eigenen Profit auszunutzen”, so Gabriela Bucher, Geschäftsführerin von “Oxfam International”.