Noch bevor überhaupt abschließend geklärt ist, wer den Bonus, den die Ampel-Koalition für Pflegekräfte beschlossen hat, zahlen soll, setzt Gesundheitsminister schon wieder den Rotstift an.

Er findet, dass nur ein ausgewählter Kreis von Pflegekräften mit einer Prämie bedacht werden sollte, nämlich diejenigen Arbeiter:innen, die nach seiner Meinung durch die Pandemie einer besonderen Belastung ausgesetzt waren. Sein Kriterium scheint dabei zu sein, wer „ins persönliche Risiko“ gegangen sei.

Die Idee stößt jedoch nicht nur auf Gegenliebe. Jan Korte (LINKE) forderte daraufhin, der Gesundheitsminister möge lieber Personalknappheit und schlechte Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern bekämpfen, statt das Personal zu demotivieren.

Auch die Deutsche Stiftung für Patientenschutz befürchtet, Lauterbachs Ankündigung könnte weiteren Frust unter den Pflegekräften hervorrufen. Selbst die von der Koalition veranschlagte Milliarde Euro werde nach Meinung von Eugen Byrsch aus dem Vorstand der Stiftung nicht zur Finanzierung des Projekts ausreichen.

Auch eine Pflegerin, die nicht auf einer Intensivpflege-Station arbeitet, äußerte sich gegenüber Perspektive kritisch zu dem Vorstoß: „Natürlich sind vor allem die Intensivstationen richtig an der Belastungsgrenze. Die Pflege hat aber allgemein viele Belastungen, die mit der Pandemie einhergegangen sind, aufzufangen. Da wären zum Beispiel die eigene gesundheitliche Gefährdung durch Corona, 8 Stunden FFP2-Masken-Tragen und unzählige Tests, die durchgeführt werden mussten, zu nennen. Auch mussten oft Regeln des Infektionsschutzes gegenüber den Angehörigen durchgesetzt werden, und Besucherstopps führen ebenfalls zu einem erhöhten Betreuungsaufwand.“


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