Der Langenscheidt-Verlag stellte das Wort „Geringverdiener“ als Jugendwort des Jahres 2021 zur Wahl. Die Tragweite dieser scheinbar scherzhaften Beleidigung untermauern neue Zahlen der Bundesagentur für Arbeit: Jede:r fünfte Vollzeitbeschfäftigte fällt in die Kategorie der „Geringverdiener“.

Geingerverdiener:in ist in Deutschland, wer bei einer vollen Stelle weniger als 2.284 Euro brutto erhält. Diese Summe entspricht der Zwei-Drittel-Grenze des mittleren monatlichen Bruttoarbeitsentgelts aller Vollzeitbeschäftigten. Im bundesdeutschen Durchschnitt ist davon jede:r Fünfte betroffen. Einige Bevölkerungsgruppen arbeiten jedoch bedeutend häufiger zu solchen Niedriglöhnen.

Geschlecht, Wohnort, Herkunft, Bildung

Besonders häufig sind Frauen und Arbeiter:innen in Ostdeutschland Geringverdiener:innen. Jede vierte Frau ist trotz einer vollen Stelle Niedriglohnempfängerin. Im Vergleich: Der Anteil unter Männern liegt in der ganzen Bundesrepublik bei 15,4 Prozent.

Besonders groß ist der Anteil an Geringverdiener:innen unter Menschen, die keinen Berufsabschluss haben. 40,8 Prozent der Arbeiter:innen ohne Berufsabschluss zählen dazu, unter Arbeiter:innen mit Hochschulabschlüssen beträgt der Anteil hingegen 4,9 Prozent.

Nach wie vor ist ein starkes Ost-West-Gefälle erkennbar. In Sachsen ist annähernd jede:r dritte Arbeiter:in im unteren Einkommenssektor beschäftigt. Das liegt auch daran, dass die Einkommen in ländlichen Gebieten ohnehin geringer sind. Außerdem sind Niedriglöhne in einigen Branchen Standard: Im Gastgewerbe – also in Hotels, Jugendherbergen und der Gastronomie – zählen mehr als 60 Prozent der Beschäftigten zu den Geringverdiener:innen.


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