Mit 250 Millionen Euro hat der Staat erneut ein Rettungspaket für „Galeria Karstadt Kaufhof“ geschnürt. Schon wieder bangen tausende Arbeiter:innen um ihren Arbeitsplatz. Der letzte Schock für sie ist erst rund 1 ½ Jahre her. – Ein Kommentar von Stefan Pausitz.

Als im Sommer 2020 fast jede dritte Filiale des Handelskonzerns Galeria Kaufhof Karstadt vor einer Schließung stand, musste der Staat intervenieren. Heute existieren noch 131 der damals 172 Filialen. Im Sommer 2020 ließ es der Galeria-Eigentümer, René Benko, zu, dass seine Arbeiter:innen der Reihe nach entlassen wurden.

Was ist passiert?

Seit Februar 2021 stellte das Unternehmen wieder 2.900 neue Arbeiter:innen mit Blick auf das Weihnachtsgeschäft ein. Der Umsatz zur Weihnachtszeit ging um 24% zurück. Gleichzeitig strich Galeria schon Anfang 2021 den ersten Staatskredit mit einem Darlehen von über 460 Millionen Euro ein.

Während die Eigentümer und Aktionäre klagten, dass die Corona-Pandemie und die eingeführten 2G-Regeln das Geschäft um Weihnachten so miserabel gemacht hätten, „geht es im Kern um zwanzig Jahre Missmanagement“, wie Jaana Hampel von ver.di sagt. Währenddessen beläuft sich das Vermögen von René Benko auf 4,9 Milliarden Euro (Stand Mitte 2020).

Nun erhält Galeria einen zweiten Staatskredit in Höhe von 250 Millionen. 30 Millionen Euro davon werden bei diesem Kredit verwendet, um die Zinsen des ersten Kredits zu tilgen. Somit erhält Galeria 220 Millionen Euro vom Staat. Dieses Mal steuert Benko zum zweiten Staatskredit 15% seines privaten Vermögens bei  – 33 Millionen von 4,9 Milliarden Vermögen – und wird dafür von der Politik in höchsten Tönen gelobt, während den 18.000 Arbeiter:innen mal wieder der Angstschweiß auf der Stirn steht.

Arbeiter:innen, organisiert euch!

Es waren 2020 nicht nur der Staat, sondern auch die Solidarität der Beschäftigten untereinander, die öffentlichen Druck aufbauten und 21 Filialen vor der Schließung retteten. Sie organisierten Demonstrationen, Kundgebungen und kreativen Protest, um auf ihre bevorstehenden Entlassungen aufmerksam zu machen. Sogar Kolleg:innen, deren Filiale nicht betroffen waren gingen auf die Straße, um sich für die Kolleg:innen stark zu machen. Das Bündnis #NichtaufunseremRücken unterstützte den Protest in Singen, Stuttgart, Freiburg, München, Landau, Berlin, Karlsruhe, Köln und weiteren Städten.

Auch heute müssen wir sehen, dass Galeria noch immer mit dem Damoklesschwert der Massenentlassung droht. Vermutlich ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, dass die Kolleg:innen sich schon jetzt beginnen zu organisieren und zu vernetzen. Ziel muss es sein, dass sie nicht als Druckmittel für weitere millionenschwere Subventionen benutzt werden können, sondern sie selber Druck aufbauen, um ihre Arbeitsplätze zu erhalten.

 


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