In dem kleinen südosteuropäischen Staat kommt es seit Ende letzten Jahres zu täglich angeordneten Stromabschaltungen. Grund dafür sind die explodierenden Strompreise und eine Störung in einem der beiden Kraftwerke des Landes.

Viele der rund zwei Millionen Einwohner:innen des Kosovo feierten den Jahreswechsel im Dunkeln. Seit Ende Dezember hat sich die Energiekrise in dem Land dermaßen zugespitzt, dass die Regierung den Privathaushalten den Strom abdreht.

Dabei setzte die Regierung zunächst auf Appelle und freiwilligen Stromverzicht durch die Bürger:innen. Doch als diese Versuche fehlschlugen, verkündete sie, dass nun Stromausfälle folgen werden. Allen Privathaushalten soll für jeweils zwei Stunden der Strom abgestellt werden, danach werde die Stromversorgung für acht Stunden wieder aufgenommen, bis dann der nächste Stromausfall folge.

Besonders in der kältesten Zeit des Jahres treffen die Stromausfälle die Bevölkerung schwer: So berichtet etwa ein Rentner in einem Interview mit Klan Macedonia, dass er in diesen Zeiten seine Wohnung nicht mehr verlassen oder betreten könne, da er im zehnten Stock wohnt und auf den Fahrstuhl angewiesen ist.

„Bei den Stromabschaltungen dachten wir, dass wir vielleicht am Tag nur zwei Stunden ohne Strom sein würden, aber nein. Alle vier oder fünf Stunden stellen sie uns den Strom für zwei Stunden ab!“, so der Rentner.

Störung am Kraftwerk verschärft die Energiekrise

Das kleine Land auf dem Balkan betreibt zwei Braunkohlekraftwerke. Zusammen genommen liefern die Kraftwerke nicht annähernd genügend Strom, um den Verbrauch des Landes zu decken. Hinzu kommt, dass durch eine Störung in dem Kraftwerk „Kosova B“ die eigene Stromversorgung weiter gesenkt wurde. Das Kraftwerk „Kosova B“ wird laut Regierungsangaben noch mindestens bis zum 20. Januar außer Betrieb sein. Eine Besserung der Lage ist hier also nicht in Sicht.

Das hat zur Folge, dass das arme Land Strom zu den extrem hohen Kursen an der Strombörse kaufen und importieren muss. Dabei liegt der Preis für eine Megawattstunde derzeit bei etwa 227 Euro. Zum Vergleich: Ein Jahr vorher kostete eine Megawattstunde noch rund 50 Euro. Dies führt zu einer zusätzlichen massiven Belastung der Arbeiter:innen und armen Bevölkerung im Kosovo.


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