“Es ist alles so teuer geworden!” – solche und ähnliche Aussagen kann man in alltäglichen Gesprächen oft in letzter Zeit hören. Und tatsächlich: die höhere Rechnung im Supermarkt oder an der Tanksäule sind keine Einbildungen. Die Preise steigen so stark an wie seit fast 30 Jahren nicht mehr. Drei Gründe, die eine gemeinsame Ursache haben – Ein Kommentar von Tim Losowski.

  • Zum 1. Januar 2022 haben 633 Stromgrundversorger ihre Preise erhöht. Im Durchschnitt beträgt die Erhöhung 61,7 Prozent.
  • Während der Benzinpreis im Dezember 2020 noch bei 1,26€ lag, betrug er Anfang 2022 bereits 1,73€ pro Liter.
  • Die Preise für Nahrungsmittel sind im November im Vergleich zum Jahr davor um 4,5 Prozent gestiegen. Eier etwa kosteten 11,7 Prozent mehr als im Jahr zuvor, Rindfleisch 8 Prozent und Gemüse 5,9 Prozent.
  • Besonders teuer werden derzeit auch Produkte die alle Art von Computerchips beinhalten.

Warum das ein Problem ist? Unsere Löhne bleiben weitestgehend gleich. Und dort, wo sie steigen, können sie die Teuerung nicht ausgleichen. Konkret bedeutet das für viele Arbeiter:innen dass der Lohn in Wirklichkeit sinkt!

Doch woher kommen die Teuerungen? Drei wichtige Gründe:

1. Ein ineffektives globales Wirtschaftssystem

Heute ist die Wirtschaft global organisiert. Ein Auto wird mit Teilen quer über den Globus produziert. In den imperialistischen Zentren wird dieses nur noch zusammengesetzt, während zuvor Arbeiter:innen in nicht-imperialistsichen Ländern massiv ausgebeutet werden, weil dies profitabler ist.

Diese imperialistische Globalisierung ist nicht nur total ineffektiv, sie ist auch sehr anfällig für externe Shocks. Ein solcher war die Corona-Pandemie. Diese hat die bereits seit 2019 schwelende Weltwirtschaftskrise massiv verschärft und Lieferketten unterbrochen.

Doch da es keine gesellschaftliche Planung der Produktion gibt, sondern nur ein kapitalistisches Hauen und Stechen, braucht das System so lange Zeit um die Lieferketten wieder ans laufen zu bringen.

Für uns heißen Materialmangel und Lieferengpässe jedoch Explosion der Warenpreise! Denn die wenigen Produkte werden für teurer Geld angeboten.

Preise werden 2022 noch stärker steigen

2. Eine kapitalistische Klimapolitik die auf den Profit und nicht aufs Klima schaut

Auch die Kosten für Gas, Treibstoff und Strom steigen derzeit rasant. Denn während Konzerne jahrzehntelang mit fossiler Energie Profit gemacht haben, sollen nun wir den notwendigen Wandel in der Industrie hin zu erneuerbaren Energien bezahlen.

Das beste Beispiel hierfür ist die CO2-Steuer, die wir blechen sollen. Diese zeigt sich nun als Aufpreis auf Benzin und Diesel.

Manche meinen, das sei doch gut, dann würden die Menschen weniger Autofahren. Doch diese Perspektive kann nicht im Interesse unserer Klasse sein. Denn die Verkehrswende ist keine individuelle Entscheidung, sondern sie muss politisch möglich gemacht werden. Viele Menschen sind bei der schlechten und teuren ÖPNV-Anbindung oftmals einfach auf ihr Auto angewiesen.

Hinzu kommt: teure Spritpreise schlagen sich als Kosten auf fast alle Produkte auf, denn viele werden ja mit LKW’s usw. transportiert. Und wenn die Transportkosten steigen, steigen auch die Preise für Gemüse usw..

„Klimaneutralität“ als Waffe im Wirtschaftskrieg

3. Geldgeschenke an Großkonzerne

In der Wirtschaftskrise wurden bisher zudem bereits gigantische Rettungsprogramme aufgelegt, um Unternehmen vor dem Bankrott zu bewahren. Dies geschieht durch direkte Steuergeschenke oder durch Ankauf von Aktien durch die Europäische Zentralbank.

Zugleich gibt es umfangreiche Konjunkturprogramme, die mit Schuldenaufnahmen finanziert werden, die ebenfalls „gedrucktes Geld“ sind. Als das führt dazu, dass mehr Geld im Umlauf ist und somit Geld auch weniger wert.

130 Milliarden Euro für die deutsche Wirtschaft

Drei Probleme, eine Ursache

Die gemeinsame Ursache dieser drei Probleme ist klar: Es ist das kapitalistische Wirtschaftssystem. Seine Absurditäten werden auf auf dem Rücken von uns Arbeiter:innen ausgetragen. Es ist die kapitalistische Logik, welche die Preise in die Höhe treibt und wir müssen uns zunehmend die Frage stellen, ob wir uns gesunde Lebensmittel leisten, und ob wir die Heizkosten und unsere Miete bezahlen können.

Durch den seit Jahren sinkenden Reallohn steigt der finanzielle Druck auf Arbeiter:innen, was in der Endkonsequenz dazu führt, dass wir mit Strafgebühren, Schufaeinträgen und Zwangsräumungen bestraft werden.

Von der neuen Regierung können wir diesbezüglich nichts erwarten. Der Grünen-Politiker und zukünftige Minister Robert Habeck erklärte dazu erst kürzlich: „[Die] Übernahme der Heizkosten für Hartz-IV-Empfängern lädt diese immer dazu ein die Heizung aufzudrehen und das Fenster aufzumachen.“ Landwirtschaftsminister Cem Özdemir von den Grünen forderte trotz der Teuerungen höhere Lebensmittelpreise. Im Koalitionsvertrag steht kein Sterbenswörtchen was die neue Regierung gedenkt gegen die Preiserhöhungen zu unternehmen.

Dabei sind bestimmte Sofortmaßnahmen klar:

  • Automatische Anpassung der Löhne an die Preis- und Mietenentwicklung,
  • Sofortige Aussetzung von Strom-, Gas- und Wassersperrungen sowie Zwangsräumungen,
  • Sofortiger Teuerungs-Zuschuss für Empänger:innen von Grundsicherung.

Während wir für die Umsetzung dieser Losungen kämpfen sollte uns zugleich klar sein: eine Welt ohne schleichende Enteignung von Arbeiter:innen durch Preisexplosionen kann nur eine Welt ohne Kapitalismus sein.


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