Die “Internationale Jugend” ist eine antikapitalistische Jugendorganisation in verschiedenen Städten in der BRD. Wir haben Samuel* und Kai* getroffen und mit ihnen über ihre Organisation, ihre aktuelle Kampagne und ihre Ziele gesprochen.

Perspektive: Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit für dieses Interview genommen habt. Könnt ihr vielleicht den Leser:innen eure Organisation kurz vorstellen?

Kai: Die Internationale Jugend ist eine politische Jugendorganisation, die sich das Ziel gesetzt hat, Jugendliche für den Kampf gegen den Kapitalismus zu organisieren. Angefangen haben wir 2017 als “Jugend gegen AfD”, um Protest gegen den AfD-Parteitag in Köln zu organisieren. Uns war aber klar, dass wir auch nach dieser Aktion weiter aktiv bleiben müssen, wenn wir wirklich etwas gegen Unterdrückung und Ausbeutung ausrichten wollen. Nach und nach kamen Jugendliche aus anderen Städten dazu, sodass wir momentan bundesweit fünf Ortsgruppen in Berlin, Frankfurt am Main, Freiburg, Köln und im Ruhrgebiet haben. Gemeinsam planen wir Aktionen, bilden uns politisch und arbeiten zu den verschiedenen Themen, die uns als Jugend bewegen. Dabei ist uns wichtig, uns in allen Fragen fest auf einen Klassenstandpunkt zu stellen und die Interessen der Arbeiter:innen zu verteidigen. Wir als Jugend können nur gemeinsam mit der restlichen Arbeiter:innenklasse unsere Ziele erreichen. Aus diesem Grund arbeiten wir auch eng mit anderen klassenkämpferischen Organisationen, wie dem Solidaritätsnetzwerk oder dem Frauenkollektiv, zusammen.

Perspektive: Aktuell befindet ihr euch in einer Kampagne unter dem Motto „Werde aktiv!“. Worum geht es bei dieser Kampagne, an wen richtet ihr euch und was macht ihr im Zuge der Kampagne?

Samuel: Auf unserem letzten bundesweiten Treffen im Herbst haben wir beschlossen, diese Kampagne in den Wintermonaten durchzuführen. Unser Ziel ist es, Jugendliche für unsere Überzeugungen zu gewinnen und zu organisieren. Deshalb wollen wir anhand der Themen Kapitalismus, Faschismus, Patriarchat, Umweltkrise, Bildungssystem und Internationalismus aufzeigen, warum man als Jugendlicher politisch aktiv werden sollte.

Kai: Konkret wird es in allen Städten, in denen wir vertreten sind, einen Vortrag zu genau diesen Themen geben. Der soll den Jugendlichen näher bringen, wie „aktiv werden“ aussehen kann und was wir als Internationale Jugend schon für Erfahrungen im politischen Kampf gesammelt haben. Lokal haben zum Beispiel auch schon organisierte Genoss:innen von uns in den sozialen Medien erklärt, warum sie selbst politisch aktiv geworden sind. Außerdem wird es bundesweit Kundgebungen geben, die unsere Positionen auch auf die Straße tragen sollen. Bei der Mobilisierung legen wir zum Beispiel auch viel Wert auf das Flyer-Verteilen vor Schulen. Allein Fridays for Future hat gezeigt, wie viele Schüler:innen bereit sind, für eine bessere Zukunft zu kämpfen. Was FFF aber auch gezeigt hat, ist, dass Fragen wie die Umweltkrise nicht innerhalb des kapitalistischen Systems gelöst werden können, vermeintliche bürgerliche Lösungsvorschläge wie die CO2-Steuer uns im Gegenteil sogar aktiv als Arbeiter:innen schaden. Deshalb braucht es Menschen und Organisationen, die verschiedene Kämpfe gezielt zu einem Kampf gegen den Kapitalismus vereinen.

Perspektive: Warum sollten sich Jugendliche bei euch organisieren? Gibt es nicht genug andere linke Jugendorganisationen, die noch dazu auch schon größer sind und mehr erreichen können?

Samuel: Klar, viele politisch Interessierte Jugendliche landen bei bürgerlichen Parteijugenden und es ist sicherlich auch für viele nicht der natürliche erste Schritt, sich einer relativ kleinen Organisation wie uns anzuschließen.

Aber wir denken nicht, dass beispielsweise die Linksjugend, die Jusos oder die Grüne Jugend mehr erreichen können als wir. Denn wir machen eine ganz andere Politik, weil wir nicht auf Stellvertreter:innen, das Parlament oder diesen Staat setzen, sondern uns selbst organisieren und für unsere eigenen Interessen und das Ende des Kapitalismus in Deutschland und im Weltmaßstab kämpfen.

Daraus ziehen wir auch unsere Stärke und können schon heute aufzeigen, dass Politik auch anders geht – revolutionär, antikapitalistisch und von uns selbst organisiert.

Perspektive: Wie bewertet ihr die aktuelle Situation an den Schulen? Seid ihr dafür, sie zu schließen?

Kai: Wir denken nicht, dass sich die Sache so einfach verhält. Wir denken, dass es wichtiger ist klar zu machen, dass uns das kapitalistische Schulsystem während der Pandemie gezeigt hat, dass es uns weder im Homeschooling noch im Präsenz-Unterricht etwas zu bieten hat.

Wir wollen keine nicht aufholbaren Lernlücken bei Jugendlichen, die aus ärmeren Familien kommen und das Homeschooling nicht stemmen können, noch wollen wir schutzlos dem Virus ausgesetzt sein, weil die Pandemie-Hilfsfonds für die Schulen an zu hohe bürokratische Bedingungen geknüpft sind.

Samuel: Wir stellen uns stattdessen ein ganz anderes Bildungssystem in einer anderen Gesellschaft vor, in dem wir uns voll entfalten können und lernen, miteinander statt gegeneinander zu arbeiten, und das eben nicht der kapitalistischen Profit-Wirtschaft unterworfen ist.

Aber schon heute kämpfen wir beispielsweise für die Abschaffung des mehrgliedrigen Bildungssystems in Deutschland und gegen die Schulzeitverkürzungen, zum Beispiel durch G8.

Perspektive: Was sind eure Pläne für die Zukunft?

Samuel: In Zukunft wollen wir uns noch mehr auf die Arbeit an den Schulen fokussieren. Außerdem wollen wir unsere Zusammenarbeit mit anderen klassenkämpferischen Organisationen vertiefen und auch unsere eigenen Standpunkte mit Positionspapieren zu den Themen Kapitalismus, Patriarchat, Bildung, Umwelt, Internationalismus und Faschismus weiter entwickeln.

Im März stehen mit dem Todestag von Ivana Hoffmann, dem Internationalen Frauenkampftag und dem Tag der politischen Gefangenen wichtige politische Kampftage an, die wir mit ausgestalten wollen.

Aber zunächst wollen wir die aktuelle Kampagne voller Elan angehen. Hoffentlich können wir die kommenden Aufgaben mit neuen Genoss:innen an Bord meistern.

Kai: Deshalb auch noch einmal danke an euch für die Gelegenheit, unsere Organisation hier vorstellen zu können.

Weitere Informationen über die Internationale Jugend findet ihr auf der Webseite der Genoss:innen: www.internationale-jugend.de

*Namen geändert. Echte Namen sind der Redaktion bekannt.


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