Am Sonntag marschierten um die 500 Faschist:innen durch die Dresdner Innenstadt und wollten der Bombardierung der Stadt während des zweiten Weltkriegs gedenken. Dabei kam es zu Angriffen auf Journalist:innen und Gegendemonstrant:innen. Mehrere hundert Menschen protestierten gegen den faschistischen Aufzug.

In der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 wurden im Rahmen des Kampfs gegen den Hitler-Faschismus schwere Luftangriffe auf die Stadt Dresden geflogen. Nach wie vor gedenken bürgerliche Parteien bei mehreren Veranstaltungen auf dem Dresdner Friedhof der Bombardierung – auch diesen Sonntag.

Zudem lief auch in diesem Jahr ein Demonstrationszug von rund 500 Faschist:innen durch die Innenstadt der Hauptstadt Sachsens, begleitet von Musik Richard Wagners. Dabei trugen sie ein Front-Transparent, auf dem der Angriff der Alliierten am 13. Februar 1945 als „Bombenholocaust“ bezeichnet wurde – eine bewusste Verharmlosung der faschistischen Vernichtungspolitik.

Vor Ort waren einige faschistische Schlüsselfiguren, wie zum Beispiel Politiker:innen der Partei „Die Rechte“ oder auch Mitglieder der Partei „Dritter Weg“.

Breiter Gegenprotest

Begleitet wurde der stille Gedenkmarsch von den Rufen und Pfiffen mehrerer hundert Gegendemonstrant:innen. Es kam dabei zu einzelnen Blockaden, die jedoch alle sofort von der Polizei gewaltsam geräumt wurden. Die Polizei vor Ort war mit einem Hubschrauber, Wasserwerfern und auch einem Granatwerfer für Tränengas ausgestattet.

Es gelang dem antifaschistischem Gegenprotest über den ganzen Tag selten, die geplante Route der Faschist:innen zu unterbrechen.

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Faschist:innen jagen Journalist:innen

Die ganze Zeit über wurden in der Stadt immer wieder kleine Gruppen von gewaltbereiten Faschist:innen gesichtet, die auf der Suche nach Gegendemonstrant:innen und Journalist:innen waren. Im Umfeld der Demonstration wurden auch einige Journalist:innen von den Faschist:innen angegriffen oder an ihrer Arbeit gehindert.

Für Aufsehen sorgte der Post eines Journalist:innenkollektivs, das nach einem Angriff von Faschist:innen selbst eine Anzeige wegen „gemeinschaftlicher schwerer Körperverletzung“ bekam.

Laut deren Aussage hatten die Angreifer aus einer ebenfalls in Dresden stattfindenden Querdenken-Demonstration die Journalist:innen unter anderem mit einem Fahrradschloss attackiert. Anwesende berichteten, dass Teilnehmer:innen der faschistischen Demo danach zu der nicht angemeldeten Querdenken-Demo übergingen, um aus ihr heraus weiter zu protestieren. Von dort aus kam es dann ebenfalls zu Angriffen auf Journalist:innen und Gegendemonstrant:innen, da zunächst kein Polizeischutz an Ort und Stelle war.


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