Die immer weiter steigenden Preise verschärfen die Ungleichverteilung des Reichtums, enteignen die Arbeiter:innen weiter und führen international zu stärkeren Klassenkämpfen von unten. Diese Kämpfe müssen auch für uns eine Perspektive werden! – Ein Kommentar von Kevin Hoffmann

Seit Monaten steigen die Preise für fast alle Verbrauchsgüter. In den Supermärkten, an den Tankstellen und bei den Energiepreisen kann man den Preisen gefühlt beim Klettern zusehen. Kaum hat man den neuesten Preisrekord registriert, wird dieser schon vom nächsten übertroffen. Für immer mehr Menschen werden die dramatisch steigenden Preise zu einer existenziellen Frage. Viele Arbeiter:innen und ihre Familien wissen kaum noch, wie sie die steigenden Preise schultern sollen.

Während die Reallöhne in den vergangenen zwei Jahren immer weiter sanken, steigen die Vermögen und Gewinne der Eigentümer:innen und Manager:innen der großen Unternehmen ins Unermessliche. Die Anzahl der Menschen, die mehr als 100 Millionen Dollar Finanzvermögen besitzen, stieg im Krisenjahr 2020 um 6.000 auf 60.000 an. Allein in Deutschland leben 2.900 dieser „Superreichen“. Das Vermögen der 2.365 Milliardäre auf der Welt ist laut dem US-amerikanischen “Institut für politische Studien” (IPS) allein zwischen dem 18. März 2020 und 2021 um mehr als 54% auf 12,39 Billionen Dollar gewachsen.

Diese unvorstellbare Menge an Reichtum, den eine kleine Gruppe von Menschen angehäuft hat und der im laufenden Jahr nochmals deutlich größer werden wird, ist der Reichtum, den wir Arbeiterinnen und Arbeiter alltäglich durch unsere Arbeit schaffen und den sich die Besitzer:innen der Fabriken und Unternehmen aneignen. Durch die steigenden Preise kann ein Teil von ihnen den eigenen Reichtum noch einmal maximieren – zeitgleich zählte der Internationale Währungsfonds (IWF) im vergangenen Jahr 95 Millionen Menschen, die in die Armut abgerutscht sind.

Der Widerstand gegen die Preisssteigerungen wächst

In immer mehr Ländern häufen sich die Proteste von Arbeiter:innen gegen die unaufhaltsam steigenden Preise. Sie fordern über alle Ländergrenzen hinweg mindestens eine Angleichung der Löhne an die Entwicklung der Preise. Dabei nehmen die Proteste gegen Preissteigerungen und die Abwälzung der Wirtschaftskrise seit ihrem Ausbruch 2019 immer mehr auch radikale Formen wie Blockaden, Betriebsbesetzungen und militante Demonstrationen an.

Besonders an der Entwicklung ist, dass immer mehr dieser Klassenkämpfe international auch gegen den Willen der größeren Gewerkschaftsverbände geführt werden. Diese versuchen die Kämpfe mit Abschlüssen weit unter dem Teuerungsniveau abzuwürgen und zu befrieden. In Deutschland schaffen es die DGB-Gewerkschaften oftmals noch, auch doppelte Nullrunden, also Reallohnsenkungen, als Erfolge zu verkaufen.

Auf die Straße gegen steigende Preise!

Gegen die Entwicklung der Preisexplosion und der sinkenden Reallöhne müssen wir auch hier in Deutschland eine Bewegung aufbauen, die es schafft, diese Entwicklung zu stoppen! Eine Angleichung aller Löhne und Sozialleistungen an die Preisentwicklung wäre ein erster Schritt, mit dem eine solche klassenkämpferische Bewegung die Situation von dutzenden Millionen Arbeiter:innen in Deutschland verbessern könnte.

Eine wirkliche Lösung des Problems kann aber nur die revolutionäre Überwindung des ausbeuterischen und krisenhaften Systems des Kapitalismus bringen. Das Zusammenkommen als Arbeiter:innenklasse im Klassenkampf gegen die Auswirkungen des Kapitalismus bleibt jedoch ein notwendiger Schritt dorthin. Daher ist es unsere Aufgabe, diese Bewegung heute zu organisieren!


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