Heute gibt es auf der ganzen Welt Proteste anlässlich des Internationalen Frauentags. Der Krieg in Europa beschäftigt auch die weltweite Bewegung gegen das Patriarchat. Das heutige Datum, der 8. März, erinnert an den mutigen Frauenstreik “Für Brot und Frieden” im Jahr 1917. – Ein Kommentar von Olga Wolf

Der Krieg in der Ukraine verändert kurzfristig viele, schon lange geplante Proteste zum Internationalen Frauentag. Durch den Krieg in Europa bekommt die Solidarität mit Flüchtenden oder die konsequente Haltung gegen eine deutsche Aufrüstung eine neue Dringlichkeit – scheinbar, denn Krieg gab es auch schon am vergangenen 8. März. Nur eben weiter weg. Und auch daran haben deutsche Rüstungsfirmen verdient.

Einige 8. März-Demonstrationen werden in den Tenor verfallen, in dem der ukrainische Präsident Selenskyj per Liveschalte in Frankfurt ein offenes Mitmischen der NATO fordert. Andere werden eine Position laut werden lassen, die in der kriegerischen Stimmungsmache manchmal unterzugehen scheint: Die kriegerischen Handlungen einer imperialistischen Macht zu verurteilen heißt nicht, eine konkurrierende Macht gutheißen zu müssen. Wenn wir also weder den russischen Angriff rechtfertigen, noch die NATO zum Handeln auffordern – bleibt uns dann nur noch traurig zuzusehen?

Im Gegenteil, und der 8. März erinnert uns daran: Einen internationalen Frauentag gibt es schon seit dem Jahr 1908, dass er am 8. März stattfindet, entschied sich erst im Jahr 1917. Es wütete schon seit Jahren der erste Weltkrieg, indem das Gezanke der Weltmächte Leid ungekannten Ausmaßes verursacht hat. In Russland war eine der unmittelbaren Folgen eine Hungerkatastrophe. Die Frauen dort wussten genau, wie ausweglos ihre Lage war, wenn der Krieg nicht bald ein Ende nehmen würde.

Also sind am 23. Februar tausende Textilarbeiterinnen dem Aufruf der Bolschewiki gefolgt, auf die Straße zu gehen, um zu streiken. Ihre Forderung lautete: “Brot und Frieden”. Dieser mutige Frauenstreik gilt als Ursprung der Februarrevolution, nach gregorianischem Kalender fiel er eben auf den 8. März.

Frauenstreik bis zur Revolution

Es folgte eine Welle von Streiks und Aufständen organisierter Arbeiter:innen. Was daraus resultierte, ist im wahrsten Sinne des Wortes Geschichte: Im ganzen Land bildeten Arbeiter:innen und Soldaten Räte, in einer demokratischen Revolution wurde zunächst das Zarentum gestürzt. Die Bolschewiki setzten ihre jahrelange Arbeit fort, begeisterten immer mehr vom Krieg gebeutelte Menschen dafür, selbst die Macht zu erlangen, um sich für den Frieden entscheiden zu können. Schließlich war die Oktoberrevolution siegreich, auch deshalb, weil Frauen in eigenen Räten und militärischen Einheiten wichtige Rollen übernommen hatten.

Russland schied aus dem ersten Weltkrieg aus – nicht wegen militärischer Siege oder Verluste, sondern weil die Bevölkerung Frieden gefordert hatte. Und natürlich, weil sie sich organisiert hat, um ihre Forderungen durchzusetzen.

Wenn wir also sagen, wir schließen uns keiner kriegerischen Stimmungsmache an – dann ist das das Gegenteil von Resignation! Wir steigen nicht auf die Stimmungsmache ein, die im Moment laut wird – sondern wir fordern umso lauter ein Ende jeder kriegerischen Machenschaft.

Der 8. März als internationaler Frauentag kann uns daran erinnern, was organisierte Arbeiter:innen – in diesem Fall die Frauen in den ersten Reihen – erreicht haben. Im ersten Weltkrieg war Russland, anders als heute, nicht die angreifende Macht. Das ist auch zweitrangig, denn egal in welchem Land: Die Arbeiter:innen sind die Leidtragenden aller Kriege und sie sind in der Lage, ihnen ein Ende zu setzen. Der Mut und die Entschlossenheit der Frauen, die für ein Ende des Krieges gestreikt haben, kann uns auch heute Kraft geben, wenn wir den internationalen Frauentag auf die Straßen tragen.


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