Die aktuelle “Massenzustromrichtlinie” der EU gewährt ukainischen Bürger:innen bis zu drei Jahre lang Schutz und Zugang zum Arbeitsmarkt. Der “Bundesverband für häusliche Betreuung und Pflege” (VHBP) schlägt Alarm: Es ist davon auszugehen, dass Anbieter:innen die Notlage der Ukrainerinnen ausnutzen werden.

So befürchtet der Verband ausbeuterische Löhne, die andere prekär beschäftigte Pflegerinnen vom Markt drängen könnten.

Die Situation ukrainischer Pflegekräfte, zumeist Frauen, beschäftigt den Bundesverband für häusliche Betreuung und Pflege schon lange, bevor der Krieg in der Ukraine ausgebrochen ist. Betreuungspersonen in der häuslichen Pflege, die aus EU-Drittstaaten kommen, mussten bisher besondere Auflagen erfüllen, um in Deutschland arbeiten zu dürfen. Für einen Großteil der Beschäftigten traf das nicht zu. Der VHBP schätzt, dass rund 90 Prozent der im Laufe eines Jahres in Deutschland tätigen 700.000 Betreuungspersonen (in 300.000 Familien) illegal tätig sind.

Die aktuelle Situation hat die EU zu einer “Massenzustromrichtlinie” bewegt. Diese gewährt Ukrainer:innen unter anderem Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt: Arbeiter:innen aus der Ukraine seien in einer besonderen Notlage und es sei davon auszugehen, dass Anbieter:innen diese ausnutzen. “Bis zu 300.000 Ukrainerinnen werden schätzungsweise für die Hälfte des Honorars arbeiten, um ihre Familien zu ernähren”, befürchtet der VHBP-Chef Daniel Schlör.

So berichtet das ARD-Politikmagazin Report Mainz vom Fall einer Ukrainerin, die schon vor Kriegsbeginn aus Angst vor dem Krieg nach Deutschland migrierte und als Betreuungsperson tätig wurde: Die Familie, in der sie tätig war, bezahlte einem Pflegedienst mehr als 2.000 Euro, sie bekam davon allerdings nur 900 Euro.

Derartige Ausbeutung könnte zunehmen, wenn Pflegedienstleister die jetzige Notsituation der Ukrainerinnen ausnutzten. Das würde zudem eine Verschlechterung der Situation polnischer und rumänischer Arbeiterinnen in der häuslichen Pflege bedeuten.


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