Mit dem Übergang zum nächsten Tag ist dieses Jahr ein Mal wieder ein erfolgreicher, kämpferischer Internationaler Frauenkampftag zu Ende gegangen. Nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt gingen Frauen auf die Straße, um für ihre Rechte und Interessen einzutreten. Hier wollen wir einen kurzen Überblick darüber verschaffen, wie der 8. März in anderen Ländern ausgesehen hat.

Türkei

Anlässlich des 8. März haben die Frauen in der Türkei erneut ihre Forderungen nach Gleichberechtigung und Freiheit zum Ausdruck gebracht. Die HDP (Demokratische Partei der Völker) rief im ganzen Land zu Frauenversammlungen auf unter dem Motto „Wir werden uns gemeinsam verändern, jetzt ist die Zeit der Frauen“. Dort trugen die Frauen ihre Forderungen mit Hilfe von Transparenten, Schildern und Parolen auf die Straßen.

Auch in der Hauptstadt Istanbul versammelten sich zahlreiche Frauen. Sie zogen am Dienstagabend mit einer großen Demonstration durch den Stadtteil Cihangir und skandierten unter anderem: „Wir schweigen nicht, wir fürchten uns nicht, wir gehorchen nicht.“. Mit der Demonstration widersetzen sich die Frauen dem Verbot der türkischen Behörden – diese hatten die Versammlung am Montag verboten. Am Dienstagnachmittag dann sperrte die Polizei den Zugang zur bekannten Einkaufsstraße Istiklal. Um die Frauen am Durchführen der Demo zu hindern, setzte die Polizei vereinzelt Tränengas ein und drängte Frauen in Seitenstraßen zusammen. Eine Reporterin der Deutschen Presseagentur dpa berichtete außerdem, dass die Polizei versuchte, Frauen an der Teilnahme zu hindern. Die Frauen blieben allerdings stark und ließen sich ihren Tag nicht nehmen.

Mexiko

Bereits am Montag schwebte über Mexiko-Stadt einer riesiger Zeppelin. Seine Aufschrift: “10 Femizide pro Tag“. In Mexiko wurden letztes Jahr mehr als 3700 Frauen ermordet. In einigen Fällen sind die Täter Kriminelle und Fremde, in den allermeisten aber sind es die eigenen Partner oder Ehemänner der Frauen, die ihnen das Leben nehmen. Die Gewalt in Mexiko nimmt dabei nicht ab, sondern sie wird im Gegenteil immer schlimmer.

Die Verbrechen bleiben meistens unaufgeklärt und die Täter unbestraft. Die Frauenbewegung in Mexiko kämpft bereits seit Jahren gegen diese Situation unter der Parole: “Ni una menos!“, auf deutsch: “Nicht eine mehr!”. Dieses Motto schrieben sich auch gestern tausende Frauen auf ihre Fahnen – nicht nur in Mexiko, sondern in ganz Lateinamerika.

Aus Angst vor Unruhen wurden der Präsidentenpalast und Nationaldenkmäler mit riesigen Metallzäunen abgesperrt. Denn in den letzten drei Jahren wurde die Stadt von massiven Aufmärschen, Straßensperren und Sitzblockaden der Aktivistinnen erschüttert, die anklagen, dass sie verzweifelt nach einem Ende der geschlechtsspezifischen Gewalt und Gerechtigkeit durch ein System suchen, das solche Verbrechen weitgehend ungestraft lässt. Besprühte U-Bahn-Stationen, kaputte Drehkreuze, mit Graffiti besprühte Wände und provisorische Anti-Denkmäler sind noch einige der bleibenden Spuren in der Landschaft.

Denkmäler sind dabei bereits seit einigen Jahren ein Teil der Proteste der mexikanische Frauen. „Sie verändern den vom Staat auferlegten Diskurs darüber, wie verletzliche Frauen repräsentiert werden sollten“, sagte Ayahuitl Estrada, die Gründerin von “Restauradoras con Glitter”, einem feministischen Kollektiv aus Architekt:innen, Historiker:innen, Archäolog:innen und Restaurierungsexpert:innen. „Die feministische Bewegung hat es geschafft, nationale Symbole und Denkmäler in etwas völlig anderes zu verwandeln.“

USA

In einigen Städten der USA fanden Aktionen unter dem Motto „Break the bias!“ (deutsch: “Brecht das Vorurteil!”) statt. Dabei ging es vor allem darum, die individuellen und kollektiven Vorurteile gegenüber Frauen, die die Ungleichheit der Geschlechter fördern, zu beleuchten. Doch das war bei weitem nicht das einzige Thema. In den USA gab es im Jahr 2021 so viele Einschnitte in das Recht auf Abtreibung, wie in keinem anderen Land auf der Welt. Auch das wollten die Frauen nicht auf sich sitzen lassen und thematisierten dies am Dienstagabend mit ihren vielzähligen Aktionen.

Pakistan

Die Behörden in Pakistan versuchten bereits im Vorhinein, die Proteste zu kriminalisieren und die Teilnahme der Frauen daran zu verhindern. Nachdem die Polizei versucht hatte, die Aktionen zu verbieten, entschied ein Gericht in Lahore zugunsten der Frauen, und die Kundgebungen konnten im legalen Rahmen statt finden.

So versammelten sich rund 2.000 Frauen allein in der pakistanischen Stadt Lahore. Sie marschierten trotz allem mit kämpferischer Haltung durch die Straßen und riefen Parolen wie „Gebt den Frauen Respekt!“ und „Beendet das Patriarchat!“. Und eine Rednerin, Sairah Khan (23), berichtete über die jüngsten, hochbrisanten Fälle brutaler Gewalt gegen Frauen.

In Karatschi – der größten Stadt Pakistans – versammelten sich etwa 1.000 Frauen: „Wir haben nur einen Slogan: “Gleicher Lohn, Schutz und Frieden“, skandierte eine Frau von einer Bühne.

In der Hauptstadt Islamabad versammelten sich etwa 200 Frauen vor dem Presseklub der Stadt.

Palästina

In den besetzen palästinensischen Gebieten stehen Frauen weiterhin vor vielen Herausforderungen. Die allgemeine Diskriminierung, die Frauen erfahren, wird bei ihnen noch verstärkt durch die israelischen Menschenrechtsverletzungen.

Das palästinensische Zentralamt für Statistik veröffentlichte am Montag einige Daten: sie zeigen, dass Frauen zwar Männer in Bezug auf Bildungsabschlüsse übertreffen, aber nur 17% der Frauen an der Erwerbstätigkeit teilnehmen und Frauen nur 11% des Palästinensischen Nationalrats, der höchsten Entscheidungsebene, ausmachen.

Darüber hinaus befinden sich insgesamt 31 palästinensische Frauen derzeit im israelischen Gefängnissystem, das es den Behörden ermöglicht, Personen ohne Anklage oder Gerichtsverfahren und ohne zeitliche Begrenzung festzuhalten.

All diese Themen spiegelten sich gestern in den eindrucksvollen Protesten der palästinensischen Frauen wieder.

Algerien

Im Norden des Afrikanischen Kontinents gingen die algerischen Frauen auf die Straße. Tausende Menschen nahmen an den Protesten teil, viele von ihnen hatten schon zuvor an der Hirak-Protestbewegung teilgenommen – diese hatte ihren 2. Jahrestag im Februar.

Ein zentrales Thema der algerischen Frauenproteste ist der sogenannte Familienkodex: Er steht im sogenannten Familiengesetzbuch, das 1984 verabschiedet wurde und basiert auf der islamischen Scharia. Sie regelt den Besitz von Eigentum. Viele Frauen aus Algerien bezeichnen das Gesetz als voreingenommen und einschränkend, weil es Frauen im Vergleich zu Männern zu Minderwertigen mache.

Viele Demonstrant:innen sehen zusätzlich einen klaren Zusammenhang zwischen der Situation der Frauen und der allgemeinen politischen Situation in Algerien: „Der Kampf für ein freies demokratisches Algerien kann überhaupt nicht geteilt und getrennt werden vom Kampf für die Gleichstellung von Männern und Frauen. Wie Sie sehen, sind algerische Frauen mit allem Mut auf die Straße gegangen, um zu sagen, dass sie existieren und präsent bleiben werden, bis sie eine Antwort auf ihren ständigen Kampf bekommen”, erklärte Futah Sadat gegenüber AFP-Reporter:innen.

In der Hauptstadt Algier kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen Sicherheitskräften und Demonstrant:innen.

 


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