Der anhaltende Krieg in der Ukraine lässt weltweit die Preise für zahlreiche Produkte weiter steigen. Doch nicht nur die Öl- und Gaspreise klettern in ungekannte Höhen, sondern auch die Lebensmittelpreise explodieren. Steigende Getreidepreise könnten zu Hungersnöten und Aufständen führen.

Russland und die Ukraine sind die größten Exporteure von Getreideprodukten weltweit. Der Krieg in der Ukraine und die damit verbundene Blockade der Getreidehäfen im Schwarzen Meer und die westlichen Sanktionen gegen Russland verknappen die Verfügbarkeit von Getreide auf den Weltmärkten massiv und lassen die Preise explodieren.

Allein im vergangenen Monat ist der Weizenpreis um fast 50% angestiegen. Am Freitag erhöhte sich der Preis für eine Tonne Weizen an der Warenterminbörse “Matif” in Paris zwischenzeitlich um 10% gegenüber dem Vortag auf 422,25 Euro pro Tonne. Allein 28% der Weizenexporte kommen weltweit aus Russland und der Ukraine, bei Gerste sind es 30% und bei Mais 20%.

Je länger der Krieg andauert, desto wahrscheinlicher wird ein weitgehender Ernteausfall in der Ukraine in diesem Jahr, und damit dürften auch die Weltmarktpreise weiter steigen. Einzelne Expert:innen sprechen bereits über die Gefahr einer globalen Nahrungsmittelkrise.

Hungersnöte und Aufstände in Afrika und Westasien durch steigende Brotpreise?

Die Preise für Getreideprodukte wie Brot dürften in den nächsten Wochen und Monaten überall auf der Welt weiter ansteigen. Besonders davon betroffen davon sind wahrscheinlich Afrika und Westasien: Diese Regionen sind besonders auf günstige Importe von Getreide angewiesen. Für Millionen arme Menschen ist Getreide hier ihr einziges Hauptnahrungsmittel.

Martin Banse, Chef des “Thünen-Instituts für Marktanalyse”, warnt zudem davor, dass gerade in Afrika und Westasien steigende Preise zu Aufständen führen könnten. „Die soziale Stabilität in diesen Ländern hängt vom Brotpreis ab“, so Banse. Dies habe man bereits im sogenannten „Arabischen Frühling“ gesehen.

Zu den jetzt steigenden Preisen kommt, dass gerade im Osten Afrikas in den vergangenen Jahren mehrere Regenzeiten ausgefallen sind und die lokalen Ernten auf den Feldern verdorrten. Dies betrifft besonders Äthiopien, Kenia, Somalia & Dschibuti. Allein Kenia ist zu 80% auf Weizenimporte angewiesen.

Laut dem Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) dürften außerdem die Länder in Nordafrika und Asien sowie die Türkei als Hauptimporteure von russischem und ukrainischem Weizen stark betroffen sein.

 


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