Der globale Pharmaverband IFPMA hat erklärt, dass das Impfangebot mittlerweile die kaufkräftige Nachfrage übersteigt. Es gibt also genug Impfstoff, doch noch immer sind gerade einmal 20% der Menschen weltweit geboostert. In 17 Ländern haben noch nicht einmal 10% der Menschen eine Erstimpfung erhalten. Wie kann das sein?

Weltweit gibt es nach wie vor eine extrem ungleiche Verteilung von Covid 19- Impfstoff. So haben von den rund 8 Milliarden Menschen auf der Welt zwar 5 Milliarden Menschen mindestens eine Impfung gegen das Coronavirus erhalten, doch nur 1,7 Milliarden Menschen eine Auffrischungsimpfung. Dabei mangelt es nicht am Impfstoff selbst.

Laut dem globalen Verband der Pharmaindustrie IFPMA seien seit Beginn der Produktion gegen Ende 2020 rund 13,7 Milliarden Impfdosen hergestellt und rund 11 Milliarden verabreicht worden. Insgesamt könnten in diesem Jahr knapp 8 Milliarden Impfdosen hergestellt werden, so IFPMA-Generaldirektor Thomas Cueni dazu am Donnerstag in Genf. Das sind insgesamt ausreichend Impfdosen, um alle Erwachsenen weltweit noch in diesem Jahr mit Booster-Impfungen zu versorgen.

„Das Impfstoffangebot übersteigt zur Zeit die Nachfrage“, heißt es deshalb von Cueni. Dabei dürfte es sich jedoch nicht um die gesundheitliche Nachfrage, sondern eine kaufkräftige „Nachfrage“ handeln.

So hatten im kriegsgeschüttelten Jemen Ende März erst 2% der Menschen eine Impfdosis erhalten, in der demokratischen Republik Kongo waren es gerade mal 0,5%. In 17 Ländern haben noch nicht einmal 10% der Menschen eine Erstimpfung erhalten, in 40 Ländern sind weniger als 20% voll geimpft.

Auch Cueni erkennt an, dass nun nicht Impfstoffmangel das Problem sei, sondern, dass Impfprogramme in manchen Ländern nicht in vollem Umfang angelaufen seien. Dennoch betont sein Pharmaverband, dass die Forderung nach Freigabe der Impfpatente ungerechtfertigt sei.


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