Die Preisexplosion schlägt sich auch in den Baukosten von neuen Wohnungen nieder. Diese sind im Februar 2022 gegenüber dem Vorjahr um 14,3% gestiegen – so viel wie seit 50 Jahren nicht mehr. Die Auswirkungen dieser Teuerungen wird sich in Zukunft in weiter steigenden Mieten zeigen. Auch die Mietpreisbremse bietet hier keinen Schutz.

Die Preise für den Neubau konventionell gefertigter Wohngebäude in Deutschland sind nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) im Februar 2022 um 14,3 % gegenüber Februar 2021 gestiegen. Bereits im November 2021 lag die Teuerungsrate im Vergleich zu November 2020 bei 14,4%, und somit auf dem höchsten Niveau seit etwa 50 Jahren.

In Zukunft ist also mit einem starken Anstieg der Immobilienpreise zu rechnen – denn das Baukapital möchte weiterhin ähnliche Profite wie zuvor beim Verkauf der neu gebauten Wohnungen realisieren. Das wiederrum bedeutet, dass Privateigentümer:innen und Immobilienunternehmen hohe Mietpreise bei Erstvermietungen festlegen werden, denn sie möchten ebenso mit der Vermietung der Wohnung ihre Investitionskosten wieder hereinholen und zugleich ähnliche Profite wie zuvor machen.

Das hat nicht nur Auswirkungen für die Mieter:innen, die in die neuen Wohnungen zu sehr hohen Mieten einziehen. Letztendlich werden sich alle Mieten in den Stadtvierteln in denen neue Wohnungen gebaut werden erhöhen. Das liegt daran, dass Instrumente wie beispielsweise die Mietpreisbremse, die eigentlich allgemeine Erhöhungen verhindern soll, nicht wirken werden.

Laut der Mietpreisbremse sollen normalerweise Neuvermietungen von 10% über dem Mietspiegel verboten sein. Doch hier gibt es zwei Fallstricke: Zum einen gilt die Mietpreisbremse nicht für Neubauwohnungen. Die jetzt teuer gebauten Wohnungen können also auch teuer vermietet werden.

Und zum zweiten errechnet sich der Mietspiegel nicht aus den Bestandsmieten – also allen Mieten in einem Viertel – sondern einzig aus den Mieten der Wohnungen, deren Miete sich in den vergangenen vier Jahren vor der Erhebung verändert haben. Darunter fallen also in Zukunft auch die Neubauten mit massiv gestiegenen Preisen, sodass eine starke Erhöhung aller Mietpreisspiegel wahrscheinlich ist. Das kann dann von allen Vermietern in einem Viertel zur Mietpreiserhöhung genutzt werden.

Wie gliedert sich die Preiserhöhung auf?

Die Entwicklungen der Preise bei den Neubauten lassen sich auf verschiedene Preissteigerungen zurückführen. Die Preise für Rohbauarbeiten an Wohngebäuden stiegen von Februar 2021 bis Februar 2022 um 14,6 %. Den stärksten Anstieg gab es dabei bei den Zimmer- und Holzbauarbeiten. Sie sind aufgrund der erhöhten Nachfrage nach Bauholz im In- und Ausland um 33,9 % teurer geworden. Die Preise für Dachdeckungs- und Dachabdichtungsarbeiten stiegen um 18,7 %, für Entwässerungskanalarbeiten erhöhten sie sich um 18,6 % und für Klempnerarbeiten um 18,1 %. Betonarbeiten verteuerten sich um 14,5 %.

Die Preise für Ausbauarbeiten nahmen im Februar 2022 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 14,2 % zu. Für Metallbauarbeiten erhöhten sie sich um 19,1 %, für Tischlerarbeiten um 16,4 %. Estricharbeiten kosteten 16,0 % mehr als im Februar 2021, bei Nieder- und Mittelspannungsanlagen stiegen die Preise um 14,7 %.

Die Preise für Instandhaltungsarbeiten an Wohngebäuden (ohne Schönheitsreparaturen) nahmen gegenüber dem Vorjahr um 14,4 % zu. Die Neubaupreise für Bürogebäude und für gewerbliche Betriebsgebäude stiegen jeweils um 15,3 %. Im Straßenbau erhöhten sich die Preise um 9,8 % gegenüber Februar 2021.


Wir schreiben für Perspektive – ehrenamtlich und aus Überzeugung. Wir schalten keine Werbung und nehmen kein Geld von Staat oder Konzernen an. Hilf' uns dabei, unseren unabhängigen Journalismus zu erweitern: mit einer einmaligen Spende, einem regelmäßigen Beitrag bei Paypal, Steady oder am besten als Mitglied in unserem Förderverein.