In den vergangenen Monaten hat sich die Lage der Tafeln in Deutschland massiv verschlechtert. Die Spenden und freiwilligen Helfer:innen sind immer weiter zurück gegangen, während die Nachfrage gestiegen ist. Besserung ist nicht in Sicht.

Zu den Menschen, die zur Tafel müssen, weil sie während der Pandemie ihre Arbeit verloren haben, und zu den Menschen, die die steigenden Lebensmittelpreise nicht mehr stemmen können, kommen jetzt noch die Geflüchteten aus dem Krieg in der Ukraine hinzu. Die Schlangen an den Tafeln in Deutschland scheinen schier endlos zu sein, die Ressourcen aber nicht. Die Tafel ruft seit Wochen vermehrt zu Spenden auf und fordert Hilfe aus der Politik – momentan scheint jedoch keine Entlastung in Sicht.

Die Tagesschau berichtet von einer der Tafel- Essenausgabe in Homburg. Es ist 10:30 Uhr an einem gewöhnlichen Wochentag, die Warenausgabe der Tafel hat noch nicht begonnen, doch die Schlange der Neuanmeldungen ist schon lang. Ein Großteil der Menschen sind Geflüchtete aus der Ukraine, seit Kriegsbeginn sollen sich schon 100 von ihnen bei der Homburger Tafel registriert haben. Ein Zuwachs, der für eine Tafel, die sonst nur rund 100 Haushalte pro Ausgabe versorgt, fast unmöglich zu bewerkstelligen ist, ohne dass die Lebensmittelspenden zunehmen.

Und diese Zunahme der Spenden, sie bleibt aus. Stattdessen kämpft die Tafel seit Wochen damit, ihre Regale überhaupt gefüllt zu bekommen. Die Homburger Vorsitzende Anita Graf-Fischbach berichtet, dass der Einzelhandel seit Wochen schärfer kalkuliere – für die Tafeln bleibe immer weniger übrig. Die Menschen, die auf die Tafel angewiesen sind, spüren die Knappheit. Immer wieder erreicht die Mitarbeiter:innen der Tafel die Bitte, ob es nicht doch noch eine Kartoffel oder Zwiebel mehr gebe.

Seit Dezember steigt die Nachfrage bei den Tafeln so stark an. Im Februar sei dann noch einmal eine große Welle an Neuregistrierungen hinzugekommen als die Energiepreise so stark anstiegen, seit Mitte März kamen dann die Geflüchteten aus der Ukraine hinzu. „Das alles trifft auf eine Situation, in der es eine Verknappung der Lebensmittel gibt”, sagt Sabine Altmeyer-Baumann, Vorsitzende der Tafeln in Rheinland-Pfalz und im Saarland.

Das Ansteigen der Preise und die zusätzlichen Bedürftigen sind die größten Probleme für die Tafeln. Jedoch bei weitem nicht die Einzigen. Unter anderem steigen auch die Betriebskosten und bereiten zusätzliche Sorgen, darunter die Kühlung der Produkte und die Fahrtkosten. Auf die Fahrtkosten muss außerdem noch hinzu gerechnet werden, dass die Routen länger werden, denn bei weniger Spender:innen ist man auch auf diejenigen von weiter weg angewiesen. Das alles betrifft bei weitem nicht nur die Hombucher Tafel im Saarland, sondern gilt für alle im Bundesgebiet. Der Vorsitzende Jochen Brühl fordert Hilfe vor allem für Menschen mit niedrigem Einkommen unter anderem eine Erhöhung der Regelsätze auf 600 Euro. Er betont, dass die Tafeln lediglich ein Zusatzangebot sein könnten, jedoch niemals Grundversorger.

Hinzu kommt, dass die Tafeln weiterhin mit den Auswirkungen der Pandemie zu kämpfen haben – sowohl mit den Menschen, die in dieser Zeit Arbeit verloren haben und zusätzlich unterstützt werden müssen, als auch damit, dass viele Ehrenamtliche ihre Arbeit auf Grund der Pandemie eingestellt haben. “60.000 Ehrenamtliche leisten bei uns Unglaubliches. Aber viele haben wegen Corona ihre Tätigkeit ruhen lassen – einfach aus Angst vor einer Ansteckung”, berichtet Brühl.

All das führt dazu, dass einige Tafeln ihr Angebot bereits beschränken mussten. In Saarbrücken gibt es seit Monaten einen Aufnahmestopp. “Der Andrang ist immer höher, wir haben zu wenig Personal. Wir sind am Limit”, sagt die Pressesprecherin Vera Loos. Sie beklagt die fehlende Unterstützung durch die Stadt. Von einer ursprünglich geplanten Lebensmittel-Ausgabestelle durch die Kommune würde man einfach nicht mehr hören. “Wir öffnen alle Ressourcen, aber so geht das nicht weiter”, bestätigt Loos, wegschicken möchte sie eigentlich niemanden.

Um die Mitarbeiter:innen in Homburg zu entlasten, wurde die Essensausgabe in dieser Stadt nun geteilt. Wie lange sie die zunehmende Belastung noch bewältigen können, wissen sie nicht. “Wir arbeiten seit 15 Jahren hier in Homburg für Menschen in Not. So lange wir Lebensmittel retten und an arme Menschen weitergeben können, machen wir weiter”, sagt Graf-Fischbach.


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