Der Boxer Tom Schwarz aus Magdeburg prügelte zwei seiner Ex-Partnerinnen krankenhausreif und kam jeweils ungestraft davon. Jetzt soll er am 09. April in Falkensee wieder in den Ring steigen. Gegen den Wiederauftritt des Täters und in Solidarität mit allen Betroffenen von patriarchaler Gewalt kündigten verschiedene Organisationen gemeinsamen Protest an.

Im Mai 2020 brach Tom Schwarz seiner Ex-Freundin Tessa Schimschar dreifach den Kiefer. Ihr mussten alle Zähne im Unterkiefer ersetzt werden und ihre Unterlippe ist bis heute taub. Im Gerichtsverfahren Ende 2021 zu diesem Fall blieb die Gerechtigkeit für Tessa aus: Staatsanwaltschaft und Richter lehnten die anfänglich verhandelte gefährliche Körperverletzung ab.

Stattdessen verharmloste der Richter die Tat: Schwarz sei einfach „nicht Meister der Worte, sondern Meister der fliegenden Fäuste“ und „der Schlag hätte anders ausgeführt werden können und müssen und als Profiboxer muss man in der Lage sein, das dosieren zu können“ – Gewalt gegen Frauen sei also gerechtfertigt, so lange man es dosiert macht.

Außerdem sei Tessa auch zum Teil schuldig, da sie sich verbal gegen den Schlag zu Boden wehrte. Tom Schwarz wurde mit 2.500 Euro für eine Verfahrenseinstellung laufen gelassen, während die Betroffene auf den Gerichtskosten sitzen bleibt.

Tessa Schimschar war dabei nicht allein mit dem, was sie erleben musste. Annemarie Eilfeld, ebenfalls ehemalige Partnerin von Schwarz, musste auch Gewalt während ihrer Beziehung erfahren.

Insgesamt ist patriarchale Gewalt kein Einzelfall, auch nicht dieser Art. Jede dritte Frau in Deutschland erlebt Gewalt, jeden dritten Tag wird eine Frau ermordet. Die Täter sind in den meisten Fällen (Ex-)Partner.

Dagegen hilft nur, sich kollektiv zur Wehr zu setzen. Tessa Schimschar tat dies zum Beispiel vergangenen Jahres am 25.11., dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, in Magdeburg. Sie hielt dort eine Rede und rief zur Solidarität unter Frauen auf.

Die Gruppe „Frauenkampftag SFO“ aus Magdeburg organisierte die Aktion und ruft jetzt auch, gemeinsam mit der Berliner Initiative „Keine Bühne für Täter“ und Antifaschist:innen aus Nordostberlin, zu der Protestkundgebung gegen das Comeback von Tom Schwarzer auf. Sie wird am 09. April um 18 Uhr vor der Stadthalle Falkensee stattfinden, in der der Boxkampf ausgetragen werden soll. Dabei lauten die Forderungen der Veranstalter:innen:

Tom Schwarz raus aus dem Ring! Keine Bühne für Frauenschläger!

Ausschluss Tom Schwarz’ von kommerziellen Box- & Sportveranstaltungen!

Den Rückzug Tom Schwarzs aus dem Boxsport!

Der Kampf von Tom Schwarz darf nicht auf tight24.tv übertragen werden!


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