Anlässlich einer Tour von Luke Mockridge haben in vielen Städten, in denen er Halt gemacht hat, Proteste stattgefunden. Das Motto: Keine Shows für Täter. Denn zahlreiche Frauen haben dem deutschen Comedian öffentlich Vorwürfe gemacht, sich sexuell übergriffig verhalten zu haben. Ein Gericht hatte Mockridge mangels Beweisen freigesprochen.

Luke Mockridge tourt mit seinem Programm “A Way Back to Luckyland” durch Deutschland. Eine Station seiner Tour war Leipzig, wo sich gestern unter dem Motto “Keine Shows für Täter” Widerstand gegen diese Aufritte formiert hat:

“Heute um 20 Uhr tritt Luke Mockridge, im Rahmen seiner neuen Tour in der Quaterback Arena auf. Seine Tour trägt den Namen A way back to Luckyland. Ist das das Land in dem Vergewaltiger nicht für ihre Taten verurteilt und belangt werden? Dazu sagen wir: „Leaving Luckyland“!”.

Schon lange vor dem Einlass schmücken Schilder und Graffitis die Quarterback-Arena: Zu lesen sind Statements von Betroffenen, aber auch Zahlen und Fakten über patriarchale Gewalt in Deutschland.

Die Tour hatte er promotet mit einem Video, das zunächst wie ein öffentliches Statement oder gar eine Entschuldigung anmutet: “Ich muss euch nun etwas sagen, was mir sehr schwer fällt”. Doch statt eines Eingeständnis, wie es viele feministische Organisationen und Einzelpersonen fordern, folgt ein Zungenbrecher.

Gerichtsprozess um Berichterstattung

Zahlreiche Frauen haben den Comdedian selbst öffentlich und anonymisiert gegenüber Medien beschuldigt, sich sexuell übergriffig verhalten zu haben. Ines Anioli, eine Ex-Partnerin, ging vor Gericht – mangels Beweisen wurde das Verfahren eingestellt. Eine weitere Ex-Partnerin versicherte gegenüber dem SPIEGEL eidesstattlich, ähnliches erlebt zu haben.

Insgesamt konnten die SPIEGEL-Autorinnen mit mehr als zehn Frauen sprechen, die von Übergriffen durch Mockridge berichtet haben. Mockridge ging mit einem Medienanwalt gegen diese Berichterstattung vor und konnte kleine Änderungen durchsetzen, der Rechtsstreit dauert an.

Die kämpferischen Frauen, die gestern in Leipzig protestiert haben, wollen unabhängig von Gerichtsurteilen die Frauensolidarität sichtbar machen. Denn Gerichte hätten auch in der Vergangenheit Täter geschützt, erklärt Rebekka vom Frauenkollektiv Leipzig: “Ines Anioli beschreibt die unterschiedlichen Formen der Gewalt in ihrer Beziehung mit Luke Mockridge. Wir solidarisieren uns mit ihr und den anderen Opfern. Wir solidarisieren uns mit allen Menschen die Opfer von sexueller, physischer und psychischer Gewalt werden, denn ein Angriff auf Eine von uns ist ein Angriff auf Alle von uns!”.

Eine Rednerin von Zora erklärte einen erheblichen Unterschied zwischen der Definition von Vergewaltigung von Gericht und einer Definition von Vergewaltigung, die die körperliche und sexuelle Selbstbestimmung in den Fokus rückt: Vor Gericht gilt – vor 5 Jahren erkämpfte das die Frauenrechtsbewegung – “Nein heißt Nein”. Diesen Grundsatz ergänzt die Rednerin um “Nur Ja heißt Ja!” – alles, was ohne freiwilliges Einverständnis passiert, ist sexualisierte Gewalt.

Protest hat sich auch in weiteren Stationen der Tour, wie etwa in Berlin und Dresden, angekündigt.