Die Vorstellung klingt verlockend: Irgendwann nicht mehr arbeiten gehen. Viel in den Urlaub fahren oder einfach ein bisschen Zeitung lesen und seinen Hobbys nachgehen. So stellen sich viele Menschen ihre Rente vor. Die Realität sieht allerdings ganz anders aus. „Ich werde nichts mehr von der Rente sehen“, sagen heutzutage viele junge Erwachsene. Ein Kommentar von Stefan Pausitz.

Tatsächlich sorgen prekäre Beschäftigungsverhältnisse und der demografische Wandel dafür, dass immer länger gearbeitet werden muss. Zwar ist die Debatte um die Rente mit 70 diese Woche vom Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) erst mal abgeschmettert worden, doch wir wissen, die weitere Renteneintrittsaltererhöhung ist ein langfristiges Projekt, an dem die Politiker seit Jahren arbeiten.

Circa 20 bis 25 Prozent der arbeitenden Menschen in Deutschland sind in Leiharbeit oder in Minijobs beschäftigt. Aber auch Menschen aus anderen Branchen sind von der Altersarmut betroffen. Um eine Rente von circa 2000 Euro brutto zu erhalten, benötigt es über 45 Jahre langes Bruttoeinkommen von 4200 Euro.

Schon alleine bei einem derzeit stabilen Einkommen von circa 2000 Euro brutto monatlich würde eine Rente von 975€ herauskommen. Bei 30 Beitragsjahren sind das 650 Euro. Frauen, die immer noch keine Anpassung der Löhne erfahren, leiden sogar noch mehr darunter.

Das Resultat liegt auf der Hand: Das geringe Einkommen sorgt für eine geringe Einzahlung in die Rentenkasse oder anderen Konten und somit einen geringeren Lebensstandard im Alter. Was ein geringes monatliches Einkommen ausmachen kann, zeigt sich im Alter schnell: bestimmt Leistungen werden gar nicht mehr von der Krankenkasse übernommen – Zuzahlungen sind nötig.

Die Isolierung von kulturellen Veranstaltung, der Gang ins Restaurant oder ein Urlaub sind nicht mehr realisierbar. Gleichzeitig kann die Miete nicht mehr gezahlt werden und man muss von seinem gewohnten Umfeld wegziehen. Es droht Vereinsamung.

Altersarmut muss ein soziales Kampffeld sein

Die aktuelle Perspektive der Renten wird die Gesellschaft in großen Teilen spalten. Nur wenige werden sich im Alter bei immer teuren Nahrungsmitteln und Energiekosten weiterhin ein Leben in Würde leisten können.

„Macht euch um mich mal keine Sorgen, aber um die jungen Erwachsenen mache ich mir Sorgen“, sagen viele Rentner:innen heute schon. Es ist ein Horrorszenario, was schon jetzt viel besser beobachtet werden muss und gegen das sich Widerstand regen muss. 100 Milliarden Euro wurden für die Aufstockung des Militärhaushaltes quasi über Nacht von der Bundesregierung bewilligt. Die Ausgaben für Senioren und Senior:innen liegt derzeit bei 1,3 Milliarden.

Das soziale Kampffeld der Altersarmut ist kein Kampffeld, das von Menschen, die schon heute eine Rente erhalten, eröffnet werden muss. Ganz im Gegenteil: Erstens zeigt die Statistik, dass fast alle bald von Altersarmut betroffen sein werden. Zweitens ist die Altersarmut ganz wesentlich mit der Lohnentwicklung verknüpft, wer für höhere Renten kämpfen will muss also vor allem auch für höhere Löhne kämpfen.


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