Über die G7 wird in der Öffentlichkeit meist einmal im Jahr gesprochen, wenn beim jährlichen Gipfel die Staats- und Regierungschefs der Mitgliedsländer zusammen kommen. Dabei sind die G7 weit mehr als ein repräsentatives Treffen mit obligatorischem Fototermin. Was ist also das “System G7” und wie hat es sich entwickelt?

Die Gruppe der Sieben, wie das Bündnis imperialistischer Staaten offiziell heißt, besteht in diesem Format bereits seit 1975. Neben dem allseits bekannten jährlichen Schaulaufen der Staats- und Regierungschefs gehören regelmäßige Treffen der Minister:innen auf allen wichtigen Gebieten wie der Handels-, Entwicklungs-, Außen- und Innenpolitik zum Programm. Zwischen den jährlichen Gipfeln und den regelmäßig stattfindenden Treffen der Minister:innen finden kontinuierlich Arbeitssitzungen auf untergeordneter Ebene statt. Die G7 sind also deutlich mehr als ein überteuerter Fototermin.

In den G7 haben sich in den 70er Jahren die größten und mächtigsten Wirtschaftsnationen gegen die damalige Sowjetunion zusammengeschlossen. Damals wie heute versuchen die westlichen imperialistischen Staaten und Japan ihre Interessen mit Hilfe dieses Bündnisses vor allem auf wirtschaftlicher Ebene durchzusetzen. Das Bündnis war zeitgleich immer auch ein Mittel der USA ihre Interessen und ihren weltweiten Hegemonieanspruch auch gegen die Interessen der anderen Mitglieder durchzusetzen. Während zu Anfangszeiten die G7 tatsächlich die größten Industrienationen darstellten, ist das heute anders. Je nach Berechnungsmethode müssten nach der Höhe des Bruttoinlandsprodukts (BIP) heute eigentlich Länder wie China, Indien, Indonesien und Brasilien in diese Gruppe aufsteigen. Die heutigen G7 vereinigen zwar immer noch rund 45% des weltweiten BIP auf sich, jedoch leben gleichzeitig nur rund 10% der Weltbevölkerung in diesen Ländern.

Ab 1998 wurde dann Russland Teil der Gruppe, die sich von da an G8 nannte. Russlands Aufnahme in das Bündnis muss dabei, genauso wie der 2014 erfolgte Ausschluss aufgrund der Annektion der Krim durch Russland, als Mittel im Kampf um die Welthegemonie, um Absatzmärkte und Einflussgebiete gesehen werden. Schafften die westlichen Staaten und allen voran die USA es, Russland lange Zeit durch die Integration in imperialistische Zusammenschlüsse wie die G8 in einem gewissen Maße in ihre Pläne zu integrieren, ist dies seit rund 10 Jahren nicht mehr möglich.

Die widersprüchlichen Interessen nicht nur zwischen den G7 und anderen Staaten, sondern auch innerhalb der G7 nehmen immer weiter zu. Wie bei imperialistischen Bündnissen üblich, ist auch der Zusammenschluss der G7 nur auf eine begrenzte Zeit angelegt und wird eher früher als später an den sich auch zwischen den Mitgliedern beschleunigt zuspitzenden gegensätzlichen Interessen scheitern.

Die G7 sind jedoch auch nicht das einzige internationale Bündnis imperialistischer Staaten. In verschiedenen Regionen der Welt haben sich kapitalistische und imperialistsiche Staaten zu Bündnissen zusammengeschlossen, um ihre Absatzmärkte und Einflussgebiete zu sichern. Zu solchen Bündnissen gehört etwa die EU oder die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO, früher Shanghai 5). In der SCO haben sich die wichtigsten osteuropäischen und asiatischen Industrienationen, darunter China, Indien, Pakistan und Russland zusammengeschlossen. In den Ländern der SCO leben rund 40% der Weltbevölkerung. Zu den internationalen Organisationen zur Durchsetzung der Geostrategie der großen imperialistischen Staaten gehören auch Militärbündnisse wie die NATO und die von Russland dominierte Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS).

Ein anderes Format der internationalen Treffen ist das der G20. Hier werden vor allem die widerstreitenden Interessen der stärksten Wirtschaftsnationen auf dem Gebiet des internationalen Wirtschafts- und Finanzsystems verhandelt. Spielten die G20 als Bündnis in vergangenen Weltwirtschafts- und Finanzkrisen daher noch eine gewichtige Rolle, um die Weltwirtschaft am Laufen zu halten, so nahm diese Rolle aufgrund der zugespitzten Widersprüche in den vergangenen Jahren deutlich ab.

Allgemein lässt sich bei der Betrachtung der internationalen imperialistischen Bündnisse feststellen, dass diese sich in dem Maße verändern, wie die ökonomischen und militärischen Kräfteverhältnisse der einzelnen Mitgliedsstaaten in Bewegung geraten. Entsprechend müssen sie immer in ihrer Entwicklung betrachtet und bewertet werden.

Für alle diese Bündnisse gilt aber: Sie sind Werkzeuge des Imperialismus im Kampf um die Weltherrschaft und gegen die Arbeiter:innenklasse.


Wir schreiben für Perspektive – ehrenamtlich und aus Überzeugung. Wir schalten keine Werbung und nehmen kein Geld von Staat oder Konzernen an. Hilf' uns dabei, unseren unabhängigen Journalismus zu erweitern: mit einer einmaligen Spende, einem regelmäßigen Beitrag bei Paypal, Steady oder am besten als Mitglied in unserem Förderverein.