Seit dem 1. Juni sind mit der Einführung des 9€-Tickets viele Regionalzüge so überfüllt wie schon lange nicht mehr. Rund ein Viertel mehr Passagiere sollen es sein. Die Ampel-Regierung möchte mit dem Ticket die Bevölkerung von Preissteigerungen entlasten. Jedoch überfordert der große Andrang das Personal.

Das „Entlastungspaket 2022“ soll von Seiten der Bundesregierung die Mehrkosten durch Inflation und Wirtschaftskrise für die Menschen ausgleichen.

Der „Tankrabatt“ für Diesel und Benzin kann bereits als gescheitert angesehen werden, da er im wesentlichen die Profite für Unternehmen steigert, statt eine echte Entlastung für die Verbraucher:innen zu sein.

„Tankrabatt“ schenkt Konzernen höhere Profite

Das 9-Euro-Ticket führt derweil sehr wohl zu einer Entlastung des Geldbeutels vieler Menschen. Und es wird angenommen: einer internen Aufstellung der Deutschen Bahn zufolge, die dem SPIEGEL vorliegt, hat sich das Fahrgastaufkommen in Regional- und S-Bahnen insgesamt im Vergleich zum Vormonat um rund 25 Prozent erhöht.

Leider wurde der Beschluss des 9-Euro-Tickets nicht mit einer allgemeinen Strategie zum Ausbau des Nahverkehrs verbunden. Damit kommen die Kapazitäten der Bahn an ihre Grenzen.

Fehlender Ausbau auf dem Rücken der Bahnarbeiter:innen

Laut dem Betriebsratsvorsitzenden der Deutschen Bahn (DB) seien durch den zusätzlichen Personalbedarf über Pfingsten tausende Überstunden notwendig gewesen und werden voraussichtlich bei gleichem Personalmangel weiterhin notwendig bleiben.

Insbesondere Lokführer:innen, der Service, die Reinigungskräfte, aber auch das Personal für Instandhaltung und Sicherheit sind im Dauereinsatz. So würden schon jetzt viele Bahn-Angestellte „auf dem Zahnfleisch“ gehen.

Trotz einer „Personaloffensive“ sei die Aufstockung mit Mitarbeiter:innen bei weitem nicht ausreichend. Anfang 2022 schätzte die GDL (Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer), dass bundesweit 1.200 Lokführer:innen fehlen.

Diskussion geht weiter

Unterdessen geht die Debatte um das 9-Euro-Ticket weiter. So führt der fehlende Ausbau nicht nur zur Mehr-Belastung des Bahnpersonals, sondern auch dazu, dass die günstige Fahrgelegenheit vor allem von Menschen in Städten genutzt wird, als von den Bewohner:innen auf dem Land. Dort fehlt oftmals die Infrastruktur oder das öffentliche Angebot ist unzureichend, weshalb viele Menschen weiterhin auf das Auto angewiesen sind.

Die Forderung nach einem besseren ländlichen Anbau wird derweil mit dem Aufruf verbunden, das 9-Euro-Ticket dauerhaft als Vorstufe zu einem vollständig kostenlosen Nahverkehr einzuführen.

Her mit dem kostenlosen Nahverkehr!


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