In diesem Jahr steht das 7. Ivana-Hoffmann-Festival an. Es steht unter dem Motto „Für eine gerechte Welt: Kolonialismus bekämpfen, damals wie heute!“. Die Veranstaltung findet am 18. Juni ab 14 Uhr am “Garten der Erinnerung” am Duisburger Innenhafen statt, die Demonstration zum Festival startet um 13 Uhr am Hauptbahnhof.

Die Open Air-Veranstaltung wird organisiert von der Jugendorganisation Young Struggle. Im folgenden Interview erzählt Anna, Pressesprecherin von Young Struggle, etwas mehr über das Festival und die Hintergründe dazu.

Vielleicht zu Beginn eine grundsätzliche Frage: Wer war Ivana Hoffmann und warum gibt es ein Festival in ihrem Namen?

Ivana war eine junge Duisburgerin, die bei Young Struggle organisiert war und mit uns zusammen politische Arbeit gemacht hat. Sie ist in Duisburg aufgewachsen, war viel mit uns gemeinsam in den Räumlichkeiten von Young Struggle und war eben genau wie du und ich.

In ihrer politischen Arbeit selbst war die Verbundenheit zum kurdischen Befreiungskampf stark zu spüren. So schloss Ivana sich mit 18 Jahren den Reihen der MLKP, der Marxistisch-Leninistischen Kommunistischen Partei Türkei/Kurdistan, und dem bewaffneten Kampf der Verteidigung der Rojava-Revolution an.

In Rojava, einem Gebiet in Kurdistan, Nordsyrien, gibt es eine demokratische Revolution, die für die Befreiung der Menschen und das friedliche Zusammenleben der Völker kämpft. Die Türkei und der sogenannte Islamische Staat (IS) greifen die Revolution stark an, und sie muss dementsprechend verteidigt werden.

Als Internationalistin entschloss sich Ivana, die Revolution in Rojava gegen die Faschisten zu verteidigen und so für eine freie und gerechte Welt zu kämpfen. Am 7. März 2015 fiel unsere Genossin Ivana bei der Verteidigung des Dorfes Til Temir gegen den IS.

Mit dem inzwischen 7. Ivana-Hoffmann-Festival möchten wir den Menschen von ihr erzählen, an sie erinnern und dafür sorgen, dass Ivanas Geschichte nicht in Vergessenheit gerät. Natürlich ist es auf den ersten Blick ungewöhnlich, dass für eine gefallene Person ein Festival organisiert wird. Aber wir finden, dass das genau der richtige Weg ist, um an Ivana zu erinnern, weil sie eine sehr fröhliche Person war, die viel gelacht hat.

In euren Aufrufen schreibt ihr, dass Ivana unsterblich ist. Was genau meint ihr damit?

Für uns ist klar, dass Ivana nicht einfach gestorben ist. Im physischen Sinne ist sie das natürlich, aber im politischen Sinne ist sie unsterblich. „Unsterblichkeit“ ist ein Ausdruck dafür, dass die Geschichte eine Geschichte von Klassenkämpfen und von Kämpfen gegen Unterdrückung ist und Ivana ist eben ein Teil der Geschichte der Klassen- und Befreiungskämpfe. Sie ist Teil der Kämpfe, und ihr Kampf endet nicht mit ihrem physischen Tod. Sie hat ihr Leben der Revolution gewidmet und sich damit von allen Zwängen des bürgerlichen Systems losgelöst.

Für uns bringt das eine Mischung aus vielen Gefühlen zusammen: Schmerz, Trauer, Wut, aber auch Stolz. Wir trauern um unsere Genossin, sind wütend auf den faschistischen türkischen Staat. Gleichzeitig sind wir stolz auf Ivana und den Weg, den sie gegangen ist.

Mit diesem Festival wollen wir eben das zeigen: Ivanas Kampf ist hier, denn wir führen ihn weiter und tragen ihren Namen auf die Straßen. Ihr Name und ihre Geschichte werden nicht in Vergessenheit geraten. Und nicht nur das. Wir wollen mit ihrer Geschichte andere Menschen erreichen und inspirieren.

Warum habt ihr euch in diesem Jahr für das Motto „Für eine gerechte Welt: Kolonialismus bekämpfen, damals wie heute!“ entschieden?

Das Festival hat in jedem Jahr einen anderen Schwerpunkt. Im letzten Jahr zum Beispiel haben wir thematisch zu politischen Gefangenen gearbeitet. In diesem Jahr haben wir uns für dieses Motto entschieden, weil wir antikoloniale Kämpfe mehr in den Vordergrund rücken wollen – schließlich sind sie aktueller denn je. Es geht um Widerstand gegen Besatzungen und die Zerstörung von Lebensgrundlagen, auch dagegen hat Ivana gekämpft.

Wir wollen auch die verschiedenen Seiten des antikolonialen Kampfes aufzeigen und klar machen, dass Kolonialismus, Imperialismus und Kapitalismus Hand in Hand gehen und wir eine gerechte Welt nur erkämpfen können, wenn wir all das überwinden.

Fast überall auf der Welt lassen sich koloniale Strukturen finden: ob in Kurdistan, in Palästina oder in Mali. Die Unterdrückung wirkt sich unterschiedlich aus, aber die Ursache, das System dahinter bleibt gleich. Aktuell sehen wir auch, dass die Solidarität stärker werden muss, wenn es mehr Besatzungen, mehr Angriffe und mehr Unterdrückung gibt.

2022 jährt sich die Revolution in Rojava zum 10. Mal, und Mitte Mai hat Erdogan angekündigt, eine neue Invasion auf die kurdischen Gebiete an der Grenze zur Türkei zu starten. Gerade in solchen Zeiten ist es wichtig, ein Bewusstsein für die Bedeutung von Ivanas Kampf zu schaffen.

Inhaltlich werden wir auf das Thema vor allem bei der Podiumsdiskussion eingehen, die am Abend vor dem Festival stattfinden wird. Dort sprechen verschiedene Organisationen zum Thema, und die Bedeutung von antikolonialen Kämpfen wird nochmal besonders hervorgehoben.

Zum Schluss möchte ich noch die Frage stellen, warum es sich lohnt, auch zum diesjährigen Festival zu kommen?

Es geht uns neben dem inhaltlichen Teil des Festivals vor allem darum, verschiedene Generationen und Kulturen zusammenzubringen und eine Möglichkeit zum Austausch zu schaffen, zum Beispiel mit Leuten, die Ivana persönlich kannten und mit ihr politische Arbeit gemacht haben.

Es gibt ein breites Spektrum an Musik, von türkisch/kurdischer Musik bis hin zu Rap und Hip-Hop – so ist für Alle etwas dabei.

Dazu gibt es leckeres Essen und Stände, an denen man noch näher mit Leuten in Kontakt kommen und sich über Ivana informieren kann. Dort gibt es zum Beispiel neben Stickern auch das Buch über Ivana, das letztes Jahr von Menschen aus Ivanas Umfeld herausgebracht wurde. Im Buch lernt man die Geschichte von Ivana noch ein wenig besser kennen.

Ich möchte jetzt noch einmal alle Menschen zum Festival einladen. Der Eintritt ist kostenlos und alle sind willkommen! Kommt alle vorbei, wir freuen uns auf ein tolles Festival!