Das 9-Euro-Ticket sollte nach dem diesjährigen August fortgeführt und der Nahverkehr ausgebaut werden. Das Ticket ist ein guter Zwischenschritt auf dem Weg zu einem kostenlosen ÖPNV. – Ein Kommentar von Felix Thal

Die Bilanz des 9-Euro-Tickets fällt gut aus: Über 21 Millionen verkaufte Tickets, die es auch ökonomisch schwächer gestellten Menschen erlauben, den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen. In einer Vielzahl von Städten ist das Verkehrsaufkommen signifikant gesunken, und im Juni fuhren 56 Prozent mehr Menschen mit der Bahn als im Vorjahresmonat.

Am Wochenende stieg der Anteil an zusätzlichen Bahnfahrten sogar auf über 80 Prozent an. Im Gegensatz dazu hat sich der Tankrabatt nur als Profitsteigerung für die großen Ölkonzerne entpuppt. Das 9-Euro-Ticket ist daher ein geeigneter Baustein auf dem Weg zu einem nachhaltigen Klimaschutz und zu verbesserter gesellschaftlicher Teilhabe.

„Tankrabatt“ schenkt Konzernen höhere Profite

Verschwiegen werden darf aber nicht, dass sich das Fahrgastaufkommen in den Zügen derart erhöht hat, dass während der Stoßzeiten im Berufsverkehr oder am Wochenende Menschen oftmals auf die nächste Bahn ausweichen müssen oder gar nicht mehr mitgenommen werden können.

Menschen mit Behinderung oder die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, klagen sogar darüber, seit der Einführung des Tickets den ÖPNV gar nicht mehr genutzt zu haben. Diese Nachteile sind aber nicht mit dem 9-Euro-Ticket entstanden, sondern wurden dadurch nur offensichtlicher. Das System Bahnverkehr im Allgemeinen und der ÖPNV im Speziellen wurden einfach über die Jahre hinweg völlig unterfinanziert und nicht ausreichend ausgebaut.

Weitere Vorteile des Tickets sind die drastisch gesunkenen Fahrten ohne Fahrschein und die entsprechenden Sanktionen, sowie der Wegfall der Suche nach dem richtigen Fahrschein am Ticketautomaten.

Nun soll das 9-Euro-Ticket Ende August auslaufen, da es nicht finanziert werden könnte, was im Angesicht eines 100 Milliarden-Euro-Pakets für die Bundeswehr wie eine Farce klingt. Die Forderung nach einem gut ausgebauten ÖPNV darf nun nicht bei der Forderung nach einem günstigen Ticket stehen bleiben. Ein kostenloser öffentlicher Personen-Nahverkehr muss die Richtung bleiben, um eine gesellschaftliche Teilhabe am sozialen Leben zu garantieren und den Umweltschutz voran zubringen.


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