Derzeit überschlagen sich die Medien mit dem Thema „Gaszufuhr“. Ähnlich wie bei Corona ist es ein gefundenes Fressen für die bürgerliche Presse, tagtäglich neue Schlagzeilen heraus zu hauen. Doch wo bleiben wir Arbeiter:innen dabei? – Ein Kommentar von Stefan Pausitz

Am Anfang stand Nordstream 2. Mit der sofortigen Einstellung der Arbeiten an der Gaspipeline hatte die Bundesregierung auf den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine reagiert. Die schon zuvor rumorenden Verhandlungen zu dieser Pipeline lagen dann endgültig auf Eis. Die Bundesregierung feierte sich, wie stark sie doch sei und Sanktionen so konsequent durchsetze.

Anders sah es danach aus: Die Angst davor, dass der BRD das Gas abgedreht werden würde, stieg ins Unermessliche. Die Bundesregierung verhandelte mit Katar und den USA, um neue Gaszulieferungen zu sichern. Doch die Rechnung ging nicht auf: Katar forderte viel Geld, wenn die Laufzeit kurzgehalten werde. Und ähnlich wie bei Lieferungen durch die USA, wo das Gas durch umweltschädliches Fracking an die Oberfläche gebracht wird, wären riesige Tanker für den Transport zuständig.

Doch wem dienen diese hysterischen Medienspielereien? Es sind die Politiker:innen und die Kapitalist:innen!

Uns, der Arbeiter:innenklasse, wird nun ständig vorgehalten, dass „jedes Gas, das wir jetzt nicht verbrauchen“ in die Gasspeicher gehe und „nicht zu teurerem Weltmarkpreis eingekauft werden muss“, wie Nina Scheer (SPD) vor kurzem in der Rheinischen Post erklärte. Gleichzeitig sei nun das Energiesparen wichtig, um Arbeitsplätze zu schützen. In diese Kerbe schlagen mittlerweile alle Politiker:innen, egal welcher Couleur.

In einem kürzlichen Livestream eines regionalen Gasunternehmens wurden die Arbeiter:innen auf die Frage nach Arbeitsplatzverlusten damit beruhigt, dass sie sich demnächst keine Angst um ihren Arbeitsplatz machen sollen. Für alle anderen Fälle werde es „sozialpartnerschaftliche Regelungen geben“. Kurz: solange die BRD noch auf Gas setzt, werden die Arbeiter:innen ihren Job behalten. In allen anderen Fällen werde mit der Gewerkschaft über Entlassungen verhandelt. Gleichzeitig wird eben dabei die Ratlosigkeit der Unternehmen offensichtlich: sie rufen derzeit ihre Mitarbeiter:innen auf, ihnen zu helfen, um irgendwelche Lösungen zu finden.

Allumfassend gegen die da Oben!

Zugleich wurde in dem internen Livestream verlautbart, dass hier „niemand ohne große Schrammen davonkommt – gleich ob es Prellungen oder Knochenbrüche” seien. Und man machte klar, dass das „Wohlstandsniveau in den nächsten zwei Jahren sinken“ wird. Es werde danach vielleicht nur die „Hoffnung“ aufkeimen, dass es sich stabilisiere. Alles andere seien „Träumereien“.

Übersetzen wir dieses Manager-Geplapper auf verständliches Deutsch bleibt übrig, dass wir in nächster Zeit von einer Massenverarmung ausgehen müssen. Arbeiter:innen, die heute noch glauben, einen sicheren Job zu haben, werden perspektivisch um ihn fürchten müssen. Gleichzeitig macht sich die Kapitalseite bereit, alle Register zu ziehen, um für sich selbst die Profite am Laufen zu halten.

Es ist daher umso wichtiger, dass wir dem Kapitalismus eine Abfuhr erteilen – gemeinsam! Die derzeitige Krise wird uns immer weiter in die Armut treiben. Eine Massenverarmung steht uns bevor, die wir nur organisiert abwenden können. Schon jetzt machen verschiedenste Bündnisse wie z.B. auch die „Föderation klassenkämpferischer Organisationen“ KKO darauf aufmerksam und organisieren Protest.

  • Aktivist aus Sachsen. Berichte von der ostdeutschen Provinz bis zur kritischen Infrastruktur.


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